Vom Barhocker bis zur Wanne : Auktion in Paris: Hotel Ritz verkauft sein Mobiliar

Weltberühmt: das Hotel Ritz an der Place Vendôme in Paris.
Weltberühmt: das Hotel Ritz an der Place Vendôme in Paris.

15, place Vendôme: Diese Pariser Adresse ist für viele der Inbegriff von Luxus. Nun lässt das Ritz alte Möbel versteigern. Dunkle Seiten der Hotel-Geschichte werden dabei weitgehend ausgeblendet.

shz.de von
11. April 2018, 16:11 Uhr

Das Hotel Ritz im Herzen von Paris ist seit 120 Jahren ein Treffpunkt der Schönen und Reichen. Unter den Gästen waren die Sängerin Maria Callas, die Schauspielerin Lauren Bacall oder die Schriftsteller Ernest Hemingway und Marcel Proust.

Die legendäre Modeschöpferin Gabrielle «Coco» Chanel erwählte den Hotelpalast sogar zu ihrem Domizil. «Wenn ich über das Jenseits im Himmel träume, spielt die Handlung immer im Pariser Ritz» - dieses Zitat wird Nobelpreisträger Hemingway (1899 bis 1961) zugeschrieben.

Nun wird erstmals Original-Mobiliar versteigert. Von diesem Dienstag (17. April) an sollen etwa 10.000 Einzelstücke verkauft werden. Darunter sind Betten, Barhocker, Plüschsofas, Vorhänge, ein Gartentor mit Ritz-Emblem, eine Harfe oder die laut Katalog «erste Badewanne» aus dem Ritz. Das renovierungsbedürftige Stück hat einen Schätzpreis von 1500 bis 2500 Euro.

In Paris ist schon von der Versteigerung des Jahres die Rede. Sammler könnten ein «Stück Ritz-Mythos» erwerben, meint der Chef des Auktionshauses Artcurial, François Tajan. Der Schätzwert der Objekte von zusammen etwa 1,5 Millionen Euro könnte bei der Versteigerung etwa verdreifacht werden, verlautete am Mittwoch. Nur 20 Prozent der Möbel werden vor der Versteigerung ausgestellt, die meisten bleiben zunächst im Lager.

Wieso ist das Mobiliar übrig? Zahlreiche Möbel und Objekte hätten nach der mehrjährigen Renovierung der Luxusherberge an der barocken Place Vendôme «ihren Platz nicht wiedergefunden», berichtet Artcurial trocken.

Das Fünf-Sterne-Haus mit seinen 600 Angestellten hatte im Juni 2016 nach dem langwierigen Umbau seine Pforten wieder für zahlungskräftiges Publikum geöffnet. Für ein Zimmer müssen Kunden laut Internetseite mindestens 1000 Euro berappen. Eigentümer der 1898 von dem Schweizer César Ritz gegründeten Edelherberge ist der aus Ägypten stammende Milliardär Mohammed Al-Fayed.

Es werden auch Möbel verkauft, die aus Suiten stammen. Die prächtigste ist vielleicht die Suite Imperiale, deren Salon eine Holzvertäfelung aus dem 18. Jahrhundert hat. Der frühere US-Präsident Richard Nixon, die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida, die Kinogrößen Roger Moore und Woody Allen sowie die Showstars Elton John und Madonna logierten in den vornehmen Räumen.

Im August 1997 hielten sich dort auch die britische Prinzessin Diana und ihr Freund Dodi Al-Fayed auf. Dann brachen sie in einem Mercedes zu ihrer Fahrt durch das nächtliche Paris auf, die in einem Straßentunnel für beide tödlich endete.

Das Ritz ist überhaupt ein Spiegel vom Glanz und Elend des 20. Jahrhunderts. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich 1940 wurde das Hotel beschlagnahmt, als Residenz für «Marschälle, Admirale und Minister» aus Nazi-Deutschland, wie die Autorin Cécile Desprairies in ihrem Buch über die dunklen Jahre der Hauptstadt berichtet. Das Ritz sei ein mondäner Treffpunkt der Kollaboration gewesen, so hätten sich dort von 1942 an deutsche und französische Geschäftsleute regelmäßig getroffen.

Ritz-Dauergast Coco Chanel hatte laut Biografen damals eine Liebschaft mit dem deutschen Diplomaten Hans Günther von Dincklage. Die Modedesignerin wurde nach der Befreiung von Paris im Jahr 1944 als Kollaborateurin verhaftet, kam aber schnell wieder frei. Sie lebte daraufhin mehrere Jahre in Lausanne in der Schweiz, bevor sie Mitte der 50er Jahre nach Paris zurückkehrte und ein berufliches Comeback feierte. 1971 starb die Modekönigin im Ritz. Im Auktionskatalog werden Möbelstücke aus der «Suite von Mademoiselle C.» eher diskret im hinteren Teil präsentiert.

Luxus und Geld ziehen auch Kriminelle an. Diese Erfahrung machte das Ritz erst zu Jahresbeginn. Vermummte Täter drangen über einen Hintereingang in das Gebäude ein, zerschlugen mit Äxten Schmuckvitrinen in der Eingangshalle und flüchteten dann mit millionenschwerer Beute. Die Polizei fand Schmuck und Uhren später vollständig wieder, drei Verdächtige kamen in Untersuchungshaft.

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