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PRÄSIDENTENMORD VOR 150 JAHREN : Abraham Lincoln: Tod in der Theaterloge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Er schaffte die Sklaverei ab und bewahrte die Einheit der Landes: Abraham Lincoln gilt vielen noch heute als einer der bedeutendsten Präsidenten der USA.

WASHINGTON | „Präsident Lincoln von einem Mörder erschossen. Die Tat eines verzweifelten Rebellen“ – so lautete am 15. April 1865 die Schlagzeile der „New York Times“. Es war in den letzten Wochen des amerikanischen Bürgerkrieges zwischen Nord- und Südstaaten. Abraham Lincoln (1809-1865) hatte sich am Abend des 14. April Zeit für die Komödie „Our American Cousin“ im Ford's Theater in Washington unweit des Weißen Hauses genommen. Der Attentäter, ein fanatischer Anhänger der Südstaaten, verschaffte sich Zutritt zur Loge und schoss ihm von hinten in den Kopf.

Lincoln starb am frühen Morgen des 15. April. Vielen Historikern gilt er als einer der größten Präsidenten in der Geschichte der Landes: Er hat die Einheit der Nation im Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten bewahrt und die Sklaverei abgeschafft.

Die Zeit war verworren in den Vereinigten Staaten von Amerika, die nicht einmal ein Jahrhundert alt waren und nur rund 30 Millionen Einwohner hatten. Der Bürgerkrieg wütete seit vier Jahren. Elf südliche Bundesstaaten hatten sich aus Protest gegen den 1861 vereidigten Präsidenten Lincoln abgespalten. Denn die Plantagenbesitzer aus dem Süden wollten die für sie profitable Institution der Sklaverei erhalten. Der Präsident hingegen hielt sie für unmoralisch.

Hunderttausende Soldaten waren tot oder verwundet, starben auf den Schlachtfeldern, an Ruhr und Typhus oder infizierten Wunden. Doch im Frühjahr 1865, in den Wochen vor seinem Tod, hatte Lincoln Grund zur Hoffnung: Das Kriegsende und der Sieg der Nordstaaten waren in Sicht.

Die Südstaaten verloren eine Schlacht nach der anderen. Die Einheit der Nation würde bald wieder hergestellt werden – ohne die Sklaverei. Lincoln erlebte das nicht mehr mit. Am 15. April um 1.30 Uhr teilte das US-Kriegministerium mit: Am Vortag um 21.30 Uhr sei im Ford's Theater auf den Präsidenten geschossen worden. Er liege im Sterben. Und weiter: „Der Mörder sprang danach auf die Bühne, schwang einen großen Dolch oder ein Messer und floh durch den Hinterausgang.“

Heute ist in dem Theater eine Erinnerungsstätte untergebracht. Besucher sehen die Mordwaffe, eine Deringer Pistole, sowie Lincolns Zylinder und weitere Exponate von der Nacht des Attentats. Der „verzweifelte Rebell“, von dem die Zeitungschlagzeile sprach, war der bekannte Schauspieler John Wilkes Booth, ein Sympathisant der Südstaaten, der die Gegebenheiten im Ford's Theater gut kannte.

Ursprünglich habe Booth den Präsidenten entführen und gegen südliche Kriegsgefangene austauschen wollen, schrieb die Historikerin Doris Kearns Goodwin in ihrem Lincoln-Buch „Team of Rivals“. Doch die Kriegsgeschicke hatten sich so sehr gegen den Süden gewendet, dass ein Austausch außer Frage stand. Booth entschied sich zum Mord.

Lincoln sei „für alle Schwierigkeiten in unserem Land verantwortlich“, schrieb er in sein Tagebuch. Lincoln, geboren 1809 als Sohn einer einfachen Farmerfamilie in Kentucky, später Rechtsanwalt und Landtagsabgeordneter, wurde im November 1860 zum Präsidenten gewählt – als Gegner der damals umstrittenen Sklaverei. Wie kann eine demokratische Republik die brutale Entrechtung versklavter Menschen tolerieren, fragten sich viele Menschen im Norden der USA.

Doch Lincoln war vorsichtig: Noch bei seiner Amtsantrittsrede erklärte er, er werde nichts unternehmen gegen „die Institution Sklaverei in den Staaten, in denen sie existiert“.

Doch je länger der Krieg dauerte, umso weniger war Lincoln bereit zum Kompromiss mit dem separatistischen Süden. Nach seiner Wiederwahl 1864 sprach er geradezu apokalyptisch: Es sei wohl Gottes Wille, dass „jeder Tropfen Blut von der Peitsche mit einem anderen Tropfen vom Schwert (des Krieges) bezahlt werden muss“.

Sein Mörder Booth wurde am 26. April 1865 auf der Flucht erschossen. Acht mutmaßliche Mitverschwörer wurden vor ein Militärgericht gestellt, vier zum Tode verurteilt und am 7. Juli 1865 öffentlich gehenkt. Kein Ereignis hat die Vereinigten Staaten so sehr geprägt wie der Bürgerkrieg, der einzige Krieg, der in den USA ausgetragen worden ist. Noch heute ringen die USA mit dem Erbe von Sklaverei und Rassentrennung. Als zum Gedenken an Abraham Lincoln 1922 in Washington das Lincoln-Memorial eingeweiht wurde, mussten Schwarze abseits sitzen. An die sechs Millionen Menschen besuchen das Denkmal pro Jahr. Hier, vor der knapp sechs Meter hohen marmornen Lincoln-Statue, hielt auch der Bürgerrechtler Martin Luther King 1963 seine „Ich habe eine Traum“-Rede – die Vision vom Ende aller Rassenschranken.

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