Rapper und Schauspieler : 50 Cent und die rebellische Ader in uns

50 Cent spielt in «Criminal Squad» einen Bankräuber.
50 Cent spielt in «Criminal Squad» einen Bankräuber.

Rund ein Dutzend Filme hat 50 Cent inzwischen gedreht, seine große Liebe bleibt die Musik. Zum Start von «Criminal Squad» spricht er über das Gute am Bösen, den Sexappeal von Gerard Butler und warum man sich Hühnchen zum Abendessen lieber in einer Box liefern lässt.

shz.de von
29. Januar 2018, 08:21 Uhr

An Curtis Jacksons Ohrläppchen funkelt ein Diamant, eine schwere Uhr glitzert am Handgelenk. So wird der Rapper, den Fans als 50 Cent kennen, dem Bling-Bling seines Genres auf dezente Weise gerecht, als er in einem New Yorker Hotel Platz genommen hat.

Zum Gespräch über seinen neuen Film «Criminal Squad» (Originaltitel: «Den of Thieves») erscheint «Fifty», dessen Oberarme eher Oberschenkeln gleichen, im dunkelbraunen Anzug. Die Nähte scheinen fast zu platzen. Und dann säuselt er leise los - mit der wohl zartesten Stimme, die dieser Schrank von einem Mann nur haben könnte.

Frage: «Criminal Squad» dreht sich um eine Bande Schwerverbrecher, die mit kriminellen Polizisten rivalisieren. Soll sich das Publikum mit beiden Gruppen identifizieren?

Antwort: Ich glaube, wir alle haben das Potenzial, uns manchmal hinter die Bösewichte zu stellen. Denn wir alle haben eine rebellische Ader in uns, die Fähigkeit, uns vorgeschriebenen Regeln zu widersetzen.

Frage: Sie spielen den schmallippigen Ex-Militär Enson Levoux, der beim Großraub einer Zentralbank an seine Grenzen geht. Aber er hat zu Hause auch Frau und Kinder. Ist es das erste Mal, dass Sie einen Familienvater spielen?

Antwort: Ja, und er hat Mängel - er ist ein Bankräuber. Die Figur Enson mit Frau und fünf Kindern zeigt, dass einigen Menschen ihr eigenes Handeln nicht bewusst ist.

Frage: Was bringt ehemalige Elitesoldaten dazu, Banken auszurauben?

Antwort: Das ist ihr Ausweg, weil sie im Leben kein Ziel haben. Unsere Gesellschaft würde sagen, dass bestimmte Dinge in Ordnung sind und andere nicht. Wenn wir zum Beispiel entscheiden, dass es heute Abend Huhn gibt, brechen wir dem Huhn nicht den Hals und putzen und bereiten es nicht zu. Wir lassen es einfach in einer Box liefern.

Frage: Und warum?

Antwort: Wir bleiben dadurch weniger aggressiv. Wir wären hungrig genug, dem verdammten Huhn den Hals zu brechen. Aber man würde dieses natürliche Verhalten als Charakterzug eines Soziopathen betrachten. Schrittweise wären wir in der Lage, größere Tiere zu töten. Deshalb wollen sie uns das Huhn in einer Box geben, denn wir wären in unseren Handlungen sonst viel aggressiver.

Frage: Die kriminellen Polizisten brechen im Film jede Menge Hälse, sie sind fast doppelt so schlimm wie die Bösewichte. Ist das überhaupt realistisch?

Antwort: Ja.

Frage: Sie sind vor allem als Rapper bekannt, haben inzwischen aber in mehreren Filmen und TV-Serien mitgespielt. Wo fühlen sie sich mehr zu Hause?

Antwort: Ich liebe Musik. Ich habe mich auf diesen Film vorbereitet und gelesen und recherchiert, während ich Musik gemacht habe. Ich hatte diese Drehbücher schon lange, verdammte sechs Jahre. Es war wirklich cool und Gerard (Butler) war großartig.

Frage: Butler ist seit seiner Rolle als König Leonidas in «300» dafür bekannt, sich körperlich hart auf seine Einsätze vorzubereiten.

Antwort: Er hat mehr als zehn Kilogramm zugelegt. Er ist jetzt in Form, Sie können ihn boxen (boxt Reporter in den Bauch). Aber er ist anders in Form, nicht in Leonidas-Form, wofür er täglich fast sechs Stunden am Tag trainierte und einen Bodybuilder hatte.

Frage: Trainieren Sie?

Antwort: Das tue ich... ich bin sexier als er!

Frage: Sie sind auf natürliche Art sexy.

Antwort: Ich habe keine sechs Stunden am Tag, um diesen Scheiß zu machen. Ich muss einen bestimmten Grund haben, und wenn sie mir den Scheck zahlen, den sie ihm für «300» gezahlt haben, werde ich es machen. Ich werde es verdammt nochmal machen!

ZUR PERSON: Curtis Jackson alias «50 Cent» wuchs am Stadtrand New Yorks in Queens auf. Seinen Vater lernte er nie kennen, seine Mutter verkaufte Drogen und starb, als er acht Jahre alt war. Nach einer eigenen Karriere als Drogendealer versuchte er sich als Rapper und legte sich dabei auch mit großen Namen wie Ja Rule an.

Der Durchbruch gelang 2003 mit dem Album «Get Rich or Die Tryin'». Seinen Ruf als harter Kerl von der Straße erntete Jackson sich unter anderem durch ein Attentat, bei dem neun Schüsse auf ihn abgefeuert wurden, und durch mehrere Schießereien. Er spielte in mehreren Filmen und TV-Serien mit und ist als Schauspieler vor allem aus einem Biopic von 2005 bekannt. Der 42-Jährige hat zwei Söhne mit zwei verschiedenen Frauen.

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