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Deutschland & Welt

22. September 2017 | 13:48 Uhr

Krise in der Ukraine : Blutige Gewalt und Tote im Osten

vom

Erneut gibt es Tote bei Gefechten in der krisengeschüttelten Ostukraine. Russland dringt auf weitere Verhandlungen über den brisanten Konflikt im Nachbarland. Die Lage bleibt sehr angespannt.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2014 | 13:07 Uhr

Slawjansk/Tiflis | Bei einem Schusswechsel nahe der ostukrainischen Stadt Slawjansk sind dem Innenministerium in Kiew zufolge mindestens fünf prorussische Separatisten getötet worden. Ukrainische Spezialeinheiten eroberten demnach bei einem „Anti-Terror-Einsatz“ drei Kontrollpunkte. Dabei sei auch ein Mitglied der Sicherheitskräfte verletzt worden. Zuvor hatten auch Vertreter der moskautreuen „Volksmiliz“ von Gefechten berichtet. An weiteren Zugängen zu der Stadt im Norden des Gebiets Donezk gebe es ebenfalls Schusswechsel, sagte der selbst ernannte Milizchef Miroslaw Rudenko. Moskauer Staatsmedien zufolge stehen ukrainische Truppen wenige Kilometer vom Zentrum von Slawjansk entfernt, das von prorussischen Kräften kontrolliert wird. Hubschrauber seien in der Luft, Rauch stehe über der Stadt, hieß es.

Im knapp 50 Kilometer südöstlich gelegenen Artjomowsk wehrten ukrainische Soldaten eine Offensive von etwa 100 Angreifern auf eines der größten Waffenlager der Ukraine ab. Die Unbekannten hätten die Kaserne unter anderem mit Granaten attackiert, sagte Interimspräsident Alexander Turtschinow in Kiew. Ein Soldat sei leicht verletzt worden, während die Angreifer „große Verluste“ erlitten hätten, sagte er. Unabhängige Berichte gab es nicht. Russland rief zu „ernsthaften Verhandlungen“ in dem Konflikt auf.

Nötig seien rasche Gespräche aller Seiten wie von Kremlchef Wladimir Putin gefordert, sagte Außenminister Sergej Lawrow in einer Rede in der Moskauer Universität MGIMO. Er nahm vor allem die EU und die USA in die Pflicht. Russland habe in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten in der Ukraine „Dutzende Milliarden US-Dollar“ investiert. Die Ukraine müsse nun als blockfreier Staat zu einem Bindeglied zwischen Russland und Westeuropa werden.US-Präsident Barack Obama sagte, die USA wollten sich zwar weiter um eine diplomatische Lösung in der Ukraine-Krise bemühen. Er schloss aber weitere Sanktionen gegen Russland nicht aus. Seine Regierung habe Vorbereitungen für die Möglichkeit getroffen, dass das Genfer Abkommen zwischen Russland, den USA und der EU sowie der Ukraine nicht die versprochenen Ergebnisse bringe, sagte Obama in Tokio.

Vize-Nato-Generalsekretär Alexander Vershbow kritisierte Moskau scharf. „Russland hat eine Verantwortung, die Situation zu deeskalieren statt auf aufrührerische Rhetorik zurückzugreifen und auf Falschdarstellungen der Lage in der Ukraine“, erklärte er in Brüssel. Moskau müsse seine Truppen aus dem Grenzgebiet zurückziehen und die Gewalt der bewaffneten Kräfte in der Ostukraine verurteilen.

Unterdessen hat Kremlchef Wladimir Putin die neue Gewalt in der Ostukraine gegen die prorussischen Aktivisten schwer verurteilt. „Wenn das Regime in Kiew angefangen hat, die Armee gegen die Bevölkerung innerhalb des Landes einzusetzen, dann ist das ohne jeden Zweifel ein sehr ernstes Verbrechen“, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge am Donnerstag in St. Petersburg. Zum Schutz eigener Bürger in der Ukraine hatte sich Putin im März eine parlamentarische Vollmacht für einen Militäreinsatz im Nachbarland geben lassen. Er hatte am vergangenen Donnerstag die Hoffnung geäußert, von dieser Erlaubnis keinen Gebrauch machen zu müssen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte in Brüssel, das Genfer Abkommens zur Ukraine vom 17. April müssen nun umgesetzt werden. Alle Beteiligten müssten ihren Einfluss auf illegale bewaffnete Gruppen nutzen, um Gewalt und Provokationen zu stoppen, und sie dazu bringen, die Waffen abzugeben. „Ich rufe zu einem Ende der Gewalt, Einschüchterung und provokanter Aktionen und Äußerungen auf.“  Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise versicherten Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Kollege Laurent Fabius die georgische Regierung bei einem Besuch in Tiflis ihrer Solidarität. Bis Ende Juni solle ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet werden, sagte Steinmeier. „Das ist ein wichtiger Meilenstein in den georgisch-europäischen Beziehungen.“  Georgien hatte 2008 einen Krieg gegen Russland um die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien geführt. Kurz vor dem Besuch von Steinmeier und Fabius in Tiflis stellte Außenminister Lawrow das damalige Einschreiten als Vorbild für ähnliche Situationen dar. Wenn Interessen von Russen direkt angegriffen würden wie in Südossetien, sehe er „keinen anderen Weg, als darauf in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht zu reagieren“, sagte Lawrow.

Fabius reagierte in Tiflis mit der Androhung weiterer Sanktionen gegen Moskau.In der ukrainischen Großstadt Mariupol am Asowschen Meer stellte die Miliz unterdessen die Kontrolle über das von prorussischen Seperatisten besetzte Stadtratsgebäude offenbar wieder her. Bei einem Handgemenge seien mindestens fünf Menschen verletzt worden, hieß es.Der russische Gazprom-Konzern stellte der Ukraine für unerfüllte Verträge weitere 11,388 Milliarden US-Dollar (8,24 Milliarden Euro) in Rechnung. Dabei handele es sich um Strafzahlungen für 2013, weil vereinbarte Mengen nicht abgenommen worden seien, sagte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew der Agentur Interfax zufolge.

Wegen unbezahlter Gasrechnungen verlangt Russland bereits mehr als 2,2 Milliarden Dollar von der nahezu bankrotten Ukraine.

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