John McCain : Bei Dienstantritt wäre er der älteste US-Präsident

John McCain. Foto: dpa
John McCain. Foto: dpa

"Er ist der zäheste Mensch, dem ich je begegnet bin", meinte ein Vertrauter einmal.

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15. Oktober 2008, 06:42 Uhr

John McCain ist stolz auf seine Narben, Niederlagen sind ihm nicht fremd. Sorgsam pflegt er das Image als Kriegsheld und und "Maverick", als Querdenker, der sich nicht der Parteiraison unterordnet. Die größte Gefahr im Wahlkampf ist für den 72-Jährigen, allzu sehr in die Nähe seines republikanischen "Parteifreundes" George W. Bush gerückt zu werden - jeder gemeinsame Auftritt mit dem unpopulären Präsidenten droht, ihn mit in den Abgrund zu ziehen.

Dabei ist es ein echtes Wunder, dass McCain überhaupt noch im Rennen ist. Noch vor einem Jahr hätte keiner der politischen Auguren in Washington nur einen Penny auf den Senator aus Arizona gesetzt: Zu alt, wenig dynamisch und dann noch akute Geldsorgen des Wahlkampfteams. McCain galt bereits als politisch tot. Wider Erwarten setzte er sich in den Vorwahlen durch, und auch gegen den sehr viel jüngeren Barack Obama macht er für viele eine überraschend gute Figur.
Durch eine Schmutzkampagne zu Fall gebracht
Schon vor acht Jahren hatte sich John McCain um die Spitzenkandidatur der Republikaner bemüht, damals brachte ihn eine massive Schmutzkampagne des Bush-Lagers zu Fall. Bush gewann seinerzeit das Rennen. Erst wollte der Senator aus Arizona von einem erneuten Antritt nichts wissen. Doch es heißt, der Soldat und Vietnamveteran McCain könne Niederlagen nicht überwinden. "Er ist der zäheste Mensch, dem ich je begegnet bin", meinte ein Vertrauter einmal.

Am 29. August 1936 in der Panama-Kanalzone, damals US- Territorium, geboren, ist John McCain einer der bekanntesten und populärsten US-Senatoren, auch wegen seiner unumstrittenen militärischen Verdienste im Vietnamkrieg. Mehr als fünf Jahre verbrachte der Bomberpilot nach seinem Abschuss in Gefangenschaft, überlebte Qualen und Folter. Der Dienst in der Marine hat in der "Soldatenfamilie" McCain Tradition: Schon Vater und Großvater schafften es bis in den Admiralsrang.
Bin Laden "bis an die Pforten der Hölle verfolgen"
McCains Domäne ist die Außen- und Sicherheitspolitik. Als Präsident wäre seine oberste Priorität, "den Krieg gegen islamische Extremisten zu gewinnen", Terroristenchef Osama bin Laden will er "bis an die Pforten der Hölle verfolgen". Während der jüngsten Georgien-Krise schlug McCain bisweilen härtere Töne an als Bush - mitunter kommen seine Reaktionen reichlich impulsiv und ohne Absprachen mit seinem Team. In Wirtschaftsfragen, die zunehmend wichtiger werden im Wahlkampf, räumt er jedoch offen Schwächen ein.

Seit 1987 gehört McCain dem Senat an, schon vier Jahre zuvor war er als Abgeordneter in den US- Kongress eingezogen. Würde McCain gewählt, wäre er bei Dienstantritt der älteste Präsident der US- Geschichte. Kritiker bemängeln auch die Tatsache, dass er schon seit einem Vierteljahrhundert in Washington mitmischt. Das mache sein Versprechen für einen Neuanfang nicht unbedingt glaubhafter.

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