Biogas : Bauern: Der Süden des Landes ist nicht vermaist

Landwirt Heinrich Schröder (links) zusammen mit dem Kreisbauern-Vorsitzenden Lars Kuhlmann vor seiner Anlage.  Foto: PT
Landwirt Heinrich Schröder (links) zusammen mit dem Kreisbauern-Vorsitzenden Lars Kuhlmann vor seiner Anlage. Foto: PT

Neue Richtlinien sollen die "Vermaisung" der Landschaft eindämmen. Geplant werden nur noch große Anlagen. Ein Bericht aus dem Kreis Pinneberg.

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04. Januar 2012, 10:59 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Milch musste er zum Spottpreis verkaufen. Der Getreidepreis war zu niedrig und es gab im fünften Jahr in Folge Frühjahrstrockenheit. Da stellte sich für Bauer Heinrich Schröder und Sohn Thomas vor vier Jahren die Frage: Wie gestalten wir unsere berufliche Zukunft? Schließlich sollte Thomas, was er mittlerweile gemacht hat, einmal den Hof in Quickborn übernehmen. In einer Biogasanlage sahen sie wirtschaftliche Perspektiven. Der Staat fördert für 20 Jahre den eingespeisten Strom ins Netz und eine Wärmeverwertung war auch möglich. Schröders investierten rund eine Million Euro in eine 250-kW-Biogasanlage.
Seit rund zwei Jahren gibt es in der Bevölkerung verstärkt Widerstand gegen den Bau solcher alternativen Stromerzeuger. Die Gründe sind vielfältig: Schwertransporter liefern Mais an, mit dem die Anlagen "gefüttert" werden. Sie fahren oft über Dorfstraßen, was stört. Plötzlich wird überall nur noch Mais angebaut, glauben selbst Touristen. Für die Böden ist die Monokultur mit intensiver Düngung nicht gut, sagen Naturschützer. Die Politik ermöglichte den Bau vieler Biogasanlagen, weil sie eine Grundvergütung für jede eingespeiste Kilowattstunde (kWh) von 20 Cent, zum Beispiel vom Bauer Schröder, zusichert. Mittlerweile gibt es in Schleswig-Holstein zirka 430 Biogasanlagen.
Sieben Anlagen im Kreis Pinneberg
"Die meisten stehen im Norden, bei uns im Kreis Pinneberg gibt es nur sieben Anlagen", berichtet Kreisbauern-Vorsitzender Lars Kuhlmann: In Lutzhorn stehen zwei, in Klein Offenseth-Sparrieshoop, Egenbüttel, Hemdingen, Heist und Quickborn je eine. Große Veränderungen beim Getreideanbau hat Kuhlmann im Kreisgebiet nicht registriert: "Wir haben im Kreisgebiet 35.000 Hektar landwirtschaftliches Anbaugebiet. Davon gehen für Baumschulen und Obstanbau rund 5000 Hektar weg und für den Maisanbau zirka 5500 Hektar", so Kuhlmann. Der größte Anteil vom Mais wird nach Kuhlmanns Worten nach wie vor als Futtermittel verwendet.
Bei Bauer Schröder hat sich dagegen der Getreideanbau sehr stark verändert. Erntete er früher auf 85 Hektar Weizen und auf 15 Hektar Mais, so ist dies heute umgekehrt. "Warum soll ich Mais kaufen, wenn ich es vor der Haustür selbst schneiden kann", so Schröder. Täglich verbraucht seine 250-kW-Biogasanlage zehn Tonnen Mais und durchschnittlich sieben Kubikmeter Gülle. Die Gülle produzieren seine Rinder. Wenn alles glatt läuft, hat die Biogasanlage am Jahresende rund zwei Millionen kWh Strom ins Netz der Stadtwerke Quickborn eingespeist. Zusätzlich werden zehn Wohneinheiten mit Wärme versorgt: "Wir verwerten zirka 50 Prozent der erzeugten Wärme", erzählt Schröder. Seine Anlage ist zu 95 Prozent ausgelastet. "8000 Stunden Produktion pro Jahr sind gut", sagt der Landwirt. Umweltgutachter prüfen am Jahresende, ob Schröders soviel Gülle in die Biogasanlage schütten, wie angegeben, da davon auch die Höhe der Grundvergütung abhängig ist. Dies kann er am Rinderbestand ermitteln.
Winterbegrünung und mehr Gülle für die Anlagen
Auf Grund der anhaltenden Kritik an den Biogasanlagen hat der Landesbauernverband im Herbst einige Empfehlungen für Landwirte formuliert, die Anlagen führen oder stark auf Maisanbau umgesetzt haben. So soll es auf den Äckern eine Winterbegrünung geben. Am Rand der Felder soll ein Grünstreifen stehen bleiben. Und auch über die Fruchtfolge wird öffentlich diskutiert. Kreisbauern-Vorsitzender Lars Kuhlmann hat jedoch noch nicht feststellen können, dass sich Landwirte an die Empfehlungen halten. Problematisch sind auch die Nitrateinträge ins Grundwasser. Umwelt- und Naturschützer schlagen mit Blick auf mögliche Folgeschäden Alarm.
Nicht zuletzt wegen anhaltender Proteste wird sich im kommenden Jahr einiges ändern. So soll wegen der sich abzeichnenden "Vermaisung" mehr Gülle statt Mais genutzt werden. Gesetzesänderungen sind bereits beschlossen: "Künftig müssen in neuen Anlagen 80 Prozent Gülle statt - wie bisher - nur 30 Prozent für die Produktion eingesetzt werden. Das kann ein normaler Bauer mit einem Rinderbestand von 80 Kühen nicht leisten", so Heinrich Schröder. Vor diesem Hintergrund wird es nach seiner Ansicht nur noch große Anlagen geben, die Investoren bauen. Für die vielen kleinen Anlagen zwischen 150 und 500 kW bedeutet dies das Aus: "Man wird wohl nur noch 1000-kW-Anlagen bauen", so Schröder.

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