Urteil in Krefeld : Baby mit T-Shirt erdrosselt: Vier Jahre Haft für Auszubildende

Für die Tötung ihres neugeborenen Babys im niederrheinischen Nettetal ist eine junge Frau zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
Für die Tötung ihres neugeborenen Babys im niederrheinischen Nettetal ist eine junge Frau zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Nach der Sturzgeburt im Kinderzimmer erdrosselt eine Auszubildende ihr Baby. Neun Monate später wird sie verurteilt.

shz.de von
16. Juli 2018, 14:38 Uhr

Krefeld | Für die Tötung ihres neugeborenen Babys im niederrheinischen Grefrath ist eine junge Frau zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Das Krefelder Landgericht sprach die 24-jährige Deutsche am Montag wegen Totschlags schuldig. Durch den großen Blutverlust bei der Geburt sei sie nur vermindert schuldfähig gewesen.

Die Auszubildende hatte angegeben, sich an die Geburt und die anschließende Tat nicht erinnern zu können. Ein Sachverständiger hatte dies als plausibel eingestuft: Durch den großen Blutverlust bei der Sturzgeburt werde die Leistung des Gehirns beeinträchtigt. Der Richter beschrieb die Frau als schüchtern, misstrauisch und von Versagensängsten geprägt. Sie habe die Schwangerschaft verdrängt und verheimlicht.

Täterin hatte Angst um Ausbildungsplatz

Außerdem habe sie Angst gehabt, ihre Schwangerschaft würde ihren Ausbildungsplatz gefährden, den sie nach langer Suche endlich gefunden hatte. Sogar dem Notarzt, den ihr Vater gerufen hatte, als er die massive Blutung bemerkte, habe sie die Geburt verschwiegen - trotz eigener Lebensgefahr.

Die junge Deutsche hatte am 12. Oktober 2017 in ihrem Zimmer im Haus ihrer Eltern einen Jungen lebend zur Welt gebracht. Laut Urteil erdrosselte sie ihr Baby unmittelbar nach der Geburt mit einem T-Shirt und schob das Kind unter ihr Bett. Dort war der Säugling erstickt. Bei der Verlesung der Anklage war die Frau in Tränen ausgebrochen.

Die Staatsanwältin hatte acht Jahre Haft gefordert. Die Verteidigerin plädierte für ein mildes Urteil. Die Auszubildende sei in diesem Moment nicht bei Sinnen gewesen. Der Prozess hatte vor rund drei Monaten begonnen.

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