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Tests im Rettungseinsatz : Autonomes Fliegen: Drohnen können bald Blindflug

vom
Aus der Onlineredaktion

Per Wärmebild fand die Drohne bei der Übung ein vermisstes Kind im dichten Schilf auf einer Elbinsel.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 17:03 Uhr

Horneburg | Die Drohne steigt senkrecht nach oben, fliegt über das Dach - und verschwindet außerhalb der Sichtweite. Kein Grund zur Panik, das ist so gewollt. Normalerweise müssen Piloten ihre Drohne immer im Blick haben. In diesem Fall übernimmt das jedoch eine neue Technik. Sie übermittelt die Positionsdaten der Drohne auf einen Bildschirm in der Einsatzzentrale. Noch ist das Ganze nur ein Test. Doch in Zukunft könnten Drohnen dadurch auch autonom sicher fliegen.

Medikamente auf eine entlegene Insel bringen, Blutkonserven von einem Krankenhaus zum anderen transportieren oder Vermisste in unwegsamem Gelände aufspüren - all das wäre möglich, wenn Drohnen außer Sichtweite fliegen könnten. Doch zurzeit sind Drohnen für den Luftverkehr vor allem ein zunehmendes Sicherheitsproblem: 14 Zwischenfälle meldeten Piloten in der Umgebung großer Flughäfen im Jahr 2015. Ein Jahr später waren es schon 60. In diesem Jahr sind es nach Angaben der Deutschen Flugsicherung bereits 71.

Deshalb arbeiten die Deutsche Flugsicherung und die Deutsche Telekom in einem Projekt daran, Drohnen sicher in den Flugverkehr zu integrieren. Dafür statten sie diese mit einem eigens entwickelten Mobilfunk- und GPS-Modul aus. „Eigentlich ist das eine Art fliegendes Smartphone“, sagt Ralf Heidger von der Deutschen Flugsicherung am Montag im niedersächsischen Horneburg bei Stade. Dort hatten die Entwickler die neue Technik bei einem gestellten Rettungseinsatz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) überprüft.

Bei dem Test sollte eine Drohne mit einer Wärmebildkamera den Rettungskräften helfen, ein vermisstes Kind im dichten Schilf auf einer Elbinsel zu finden. Die Drohne übertrug ihre Positionsdaten an die Einsatzleitstelle, von wo aus sie gestartet worden war. „Die Drohne konnte ein Riesen-Areal für uns abarbeiten“, sagt Robert Rink von der DLRG. Mit der Wärmebildkamera spürte die Drohne das Kind auf, die Helfer auf der Insel bekamen die Koordinaten aufs Tablet übermittelt. „So konnten wir recht schell die Person finden und versorgen“, erläutert Rink.

Auch die Entwickler werten den Test als Erfolg. „Wir haben gesehen, wie wertvoll die Technik für die Einsatzkräfte ist“, sagt Thomas Pöggel von der Telekom. Die DLRG setzt ferngesteuerte Fluggeräte bei der Suche nach Vermissten schon länger ein. Bisher seien diese ein Hilfsmittel, kein Rettungsinstrument, sagt Achim Wiese von der DLRG.„Unsere Vision ist, dass Drohnen in Zukunft auch Menschen aus dem Wasser ziehen können.“ Mögliche kommerzielle Anwendungsgebiete von Drohnen sind zahlreich.

Auch von privater Seite gibt es großes Interesse an den kleinen Fluggeräten, wie sich an den Verkaufszahlen zeigt. Danach geht die Deutsche Flugsicherung davon aus, dass in Deutschland schon heute eine halbe Million Drohnen durch die Luft surren. „Bald wird die Zahl die der bemannten Flugbewegungen überschreiten“, sagt Pöggel. „Das bedeutet ein großes Gefahrenpotenzial.“ Deutsche Flugsicherung und Telekom wollen ihre neue Technik nun Stück für Stück auch bei anderen Anwendungen in der Praxis testen. Gerade entwickeln die Partner eine App, bei der die Nutzer neben ihrer Drohne auch andere in der Nähe herumfliegende Geräte sehen können.

Das System soll außerdem anzeigen, wohin die Drohne fliegen darf und wohin nicht. Eingreifen wird es bei Verstößen aber nicht, sagt Heidger. Denn wie bei Flugzeugen soll auch bei Drohnen gelten: „Die Verantwortung liegt immer beim Piloten.“

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