Probleme nicht nur auf dem Land : Auch Städte fordern Hilfe: "Gleichwertige Lebensverhältnisse"

Wohnraum ist in großen Städten wie Berlin für viele nicht mehr bezahlbar.
Wohnraum ist in großen Städten wie Berlin für viele nicht mehr bezahlbar.

Aus Sicht des Städtetags sollten auch Ballungsräume mehr Unterstützung erhalten, unter anderem beim Einzelhandel.

shz.de von
18. Juli 2018, 07:13 Uhr

Berlin | Ländliche Regionen fühlen sich häufig abgehängt – aber auch Ballungsräume brauchen aus Sicht des Städtetags mehr Unterstützung. "Wir erleben, dass sich viele eine Wohnung in wachsenden Städten nicht mehr leisten können", sagte Städtetags-Präsident Markus Lewe. Problematisch für Städte seien auch hohe Schulden und der Strukturwandel in einst erfolgreichen Industriestädten. Der Bund müsse mehr investieren. Viel zu tun gebe es auch beim Thema Einzelhandel vor Ort im Internet-Zeitalter.

Lebensqualität steigern

Das Bundeskabinett wollte an diesem Mittwoch nach einigen Verzögerungen die Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" einsetzen, an der sich Bund, Länder und Kommunen beteiligen sollen. Bis Mitte 2019 soll sie Vorschläge erarbeiten, wie die Lebensqualität in strukturschwächeren Regionen gehoben werden kann – etwa durch bessere Verkehrsanbindung. Dahinter steckt der neue Schwerpunkt der großen Koalition auf "Heimat", einer neuen Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums.

Lewe sagte, man müsse sich überlegen, wie die Attraktivität von Städten auch in strukturschwachen Regionen erhalten werden könne. Dazu müsse gezielter gefördert werden. "Viele Städte sind in einem Teufelskreis und könnten wegen der Altschulden in ein tiefes Loch stürzen – erst recht, wenn die Zinsen wieder steigen", warnte er. Ein Ziel solle sein, dass die Menschen wieder mehr in den Städten einkaufen. "Dazu gehört auch das Einzigartige einer Stadt wie Grünanlagen und Kulturaktivitäten."

Solidarität von starken Städten nötig

Handlungsbedarf sieht der Städtetags-Präsident aber nicht nur beim Bund. "Es muss sich auch bei uns selbst, den politischen Akteuren vor Ort, etwas ändern", sagte er. "Wir müssen uns viel mehr Gedanken machen: Wie wollen wir in 10 oder 20 Jahren in unseren Städten leben?" Wirtschaftlich starke Städte müssten Solidarität zeigen: "Ich muss im Zweifel bereit sein, auf ein Projekt in meiner Region zu verzichten, weil es in einer anderen Stadt notwendiger ist."

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