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Deutschland & Welt

22. Oktober 2017 | 01:57 Uhr

Castor-Transport : Atomzug kostete 20 Millionen Euro

vom

Der von AKW-Gegnern heftig bekämpfte Transportzug mit radioaktivem Material hat das Zwischenlager Gorleben erreicht. Der Polizeieinsatz war angesichts von 15.000 Demonstranten massiv - und teuer.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2008 | 07:56 Uhr

Hannover | Der durch ungewöhnlich scharfe Proteste Tausender Kernkraftgegner verzögerte Atommüll-Transport nach Gorleben hat den Endlagerstreit in Deutschland kräftig angeheizt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte gestern erneut einen "ergebnisoffenen Standortvergleich" der verschiedenen in Frage kommenden Lagerstätten für Atommüll in Deutschland.

Die neu erstarkte Anti-Atom-Bewegung rief die Bundesregierung zum Ausstieg aus der Atomenergie auf und kündigte weitere Proteste an. Die Kosten des elften Transports nach Gorleben betrugen allein in Niedersachsen rund 20 Millionen Euro. Landesinnenminister Uwe Schünemann (CDU) verlangte eine Beteiligung anderer Bundesländer an den Kosten und will künftig Blockierer zur Kasse bitten.

Der elfte Transport ins Zwischenlager Gorleben erreichte sein Ziel in der Nacht zu gestern mit fast einem Tag Verspätung, streng bewacht von Tausenden Polizisten. Beim Protest gegen die atomare Fracht erlebte die Anti-Atom-Bewegung eine neue Stärke: Der Widerstand mit mehr als 15.000 Demonstranten aus ganz Deutschland war deutlich größer als in den Vorjahren. "Der Protest ist groß, vielfältig und entschlossen. Der Traum der Atom-Lobby von einer Renaissance der Atomkraft ist ausgeträumt", sagte eine Sprecherin der Umwelt-Organisation Robin Wood.

Um die Proteste einzudämmen, setzte die Polizei Schlagstöcke ein. Einsatzleiter Thomas Osterroth sprach gestern von teils "massiven Übergriffen" auf die Beamten. Die Polizei schätzte die Zahl gewaltbereiter Gegner auf 1500. Brennende Barrikaden auf der Strecke zum Zwischenlager wurden mit Wasserwerfern gelöscht. Acht Protestierer ketteten sich an Betonpyramiden fest. Die Polizei benötigte elf Stunden, bis sie am späten Montagabend die Atomkraftgegner frei bekam. 46 Demonstranten wurde festgenommen.

Gabriel gab der Union und ihrer Absage an den Atomausstieg die Verantwortung für die Schärfe der Proteste. Niedersachsens Umweltminister Hans Heinrich Sander (FDP) verlangte von Gabriel konkrete Alternativen zu Gorleben. Sander warf der Koalition in Berlin vor, in der Frage der atomaren Endlagerung keinen Schritt weitergekommen zu sein.

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