#EricGarner Bilder aus den USA: Massive Proteste gegen Polizeigewalt

Von dpa, shz.de | 05.12.2014, 15:35 Uhr

Nach Bekanntwerden neuer Fälle tödlicher Polizeigewalt in den USA offenbart sich die Wut der Bürger. Die Proteste haben sich auf des ganze Land ausgeweitet. Twitterreaktionen dokumentieren die Geschehnisse.

In den USA sind erneut Tausende Menschen aus Protest gegen übermäßige Polizeigewalt auf die Straße gegangen. In New York gab es die zweite Nacht in Folge heftige Proteste. Auslöser des erneuten Aufflammens war der Beschluss von Geschworenen am Mittwoch, einen weißen Polizisten für den Tod eines Schwarzen im New Yorker Bezirk Staten Island nicht zur Rechenschaft zu ziehen. Der Polizist hatte den Mann bei der Festnahme wegen angeblich illegalen Zigarettenhandels in den Würgegriff genommen. Dessen Hilferufe, er bekomme keine Luft mehr, ignorierte er. Der asthmakranke Schwarze, ein sechsfacher Familienvater, starb wenig später. Ein Video der Würgeszene verbreitete sich rasant im Netz und erhitzt die Gemüter. Auch bei den Twitter-Trends in den USA ist #EricGarner das Thema Nummer 1.

„Was wir wollen? Gerechtigkeit! Wann wollen wir sie? Jetzt!“, riefen die Demonstranten am Foley Square in Manhattans Justizbezirk. Sie skandierten auch: „Unsere Demokratie kriegt keine Luft!“, berichtete die „New York Daily News“ in ihrer Onlineausgabe.

Größere Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden nicht gemeldet. Allerdings gab es 30 Festnahmen. Zuvor waren 80 Menschen laut Medienberichten wegen Verkehrsbehinderung vorübergehend festgenommen worden. Auch aus der Hauptstadt Washington, aus Chicago, Boston, Baltimore, Atlanta und aus Seattle an der Westküste wurden Demonstrationen und Straßenblockaden gemeldet. In vielen Städten wurden so genannte „Die-in“ bzw. „Massive Die“- Demonstrationen abgehalten, bei denen sich die Beteiligten symbolisch auf öffentliche Plätze legen und totstellen.

Aus Arizona wurde derweil ein neuer Fall tödlicher Polizeigewalt bekannt. Dort war am Dienstag ein 34-Jähriger, der seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen wollte, nach einer Polizeikontrolle erschossen worden. Die Zeitung „Arizona Republic“ berichtete am Donnerstag (Ortszeit) online, der Polizist habe den Mann verfolgt und es sei vor dessen Wohnung zu einem Handgemenge gekommen. Er habe vermutet, dass der Mann eine Waffe habe, und zweimal geschossen. Tatsächlich hatte der 34-Jährige Schmerztabletten in der Tasche. Im New Yorker Bezirk Brooklyn inszenierten Demonstranten ein „Die-In“ mit Papp-Särgen, auf denen die Namen von Opfern der Polizeigewalt standen. Anderswo in der Millionenmetropole legten sich Menschen mitten auf die Straße und versuchten mit Menschenketten, den Verkehr lahmzulegen.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio begrüßte die friedlichen Proteste und versprach, die Reform der Polizei und Änderung des Verhaltens der Sicherheitskräfte durchzusetzen. Die „New York Times“ berichtete am frühen Freitag, dass rund 22.000 Polizisten der Stadt in Kursen lernen sollen, wie sie Krisenlagen entschärfen können, bevor sie zur Waffe greifen. Auslöser der Proteste waren Entscheidungen von Geschworenen in Ferguson (Missouri) und Cleveland (Ohio) gewesen, auf eine Anklage weißer Polizisten zu verzichten, die unbewaffnete Bürger erschossen hatten. In Ferguson war der Schwarze Michael Brown durch die Schüsse eines Polizisten gestorben. In Cleveland wurde ein zwölfjähriger Schwarzer erschossen, der eine Pistolenattrappe in der Hand hielt.

Die unabhängige Journalismus-Institution ProPublica errechnete, dass in den USA für junge Schwarze das Risiko 21 Mal größer ist, von der Polizei erschossen zu werden als für junge Weiße. Basis sind 1217 Fälle zwischen 2010 und 2012.