19 Tote bei Massaker an Grundschule in Texas  Kaum zu fassen: So irrsinnig reagiert die US-Waffenlobby

Meinung – Marion Trimborn | 25.05.2022, 13:07 Uhr

In einer Grundschule in Texas werden 19 Kinder erschossen. Der Täter kaufte sich kurz nach seinem 18. Geburtstag legal zwei Gewehre. Ist es denkbar, dass Amerika eine historische Wende beim Umgang mit Waffen schafft? 

Kaum machte die Nachricht vom Massaker an der Grundschule in Texas die Runde, ging es schon wieder los: Das Herunterreden und Relativieren. Der Täter sei ein Verrückter, ein Einzelfall, hieß es da. Die Tat werde für politische Zwecke instrumentalisiert, verlautete aus den Reihen der Republikaner. Im rechten Fernsehsender Fox News erklärte ein Talkgast gar: „Man braucht einen guten Menschen, mit einer Waffe, um einen Bösewicht mit einer Waffe zu stoppen.“ Genau so lautet das Motto der mächtigen Waffen-Lobby National Rifle Organization, kurz NRA. Auf die Spitze getrieben hat es schon Ex-Präsident Donald Trump, der 2018 nach einem Amoklauf forderte, Lehrer an Schulen zu bewaffnen. Das Rezept heißt also: Mehr Waffen. Und das soll funktionieren?

Mehr Informationen:

·        Nur Waffen garantieren die Sicherheit eines freien Staates. Sprich: Notfalls müssen sich die Amerikaner mit Waffengewalt gegen Staatstyrannei wehren können.

·        Um die USA sicherer zu machen, braucht man mehr Waffen und nicht weniger. 

·        Das Einzige, was einen Bösewicht mit einer Waffe aufhält, ist ein guter Mensch mit einer Waffe.

·        Um Schulmassaker zu verhindern, sollte man Lehrer bewaffnen und in Schulen Waffen in Safes deponieren.

·        Nach dem Massaker an der Grundschule in Texas tauchte übrigens auf Twitter ein alter Tweet des texanischen Gouverneurs Greg Abbott auf, in dem die Texaner aufgefordert wurden, mehr Waffen zu kaufen. „Mir ist peinlich: Texas #2 in der Nation für neue Waffenkäufe, hinter KALIFORNIEN. Lasst uns das Tempo beschleunigen, Texaner“, twitterte der waffenbegeisterte Abbott am 28. Oktober 2015, während seines ersten Jahres als Gouverneur.

Schulterzucken und politische Blockade

Wie kann es sein, dass in den USA solche Parolen die öffentliche Debatte direkt nach einem Massaker mit 19 toten Kindern mitprägen? Es scheint, dass die Reaktionen nach solchen Amokläufen zu einem Ritual verkommen sind. „Gedanken und Gebete“, lautet die Formel, die auch US-Präsident Joe Biden nutzte. Danach geht der Alltag weiter, es folgen Schulterzucken und eine politische Blockadehaltung. Niemand will sich ernsthaft mit der Waffen-Lobby anlegen, kein Präsident den einfachen Zugang zu Schnellfeuerwaffen erschweren. Wie kann das sein?

Viele Amerikaner misstrauen dem Staat

Eine erste Antwort gibt sicher die Geschichte. Die Waffen-Verfechter verteidigen vehement den zweiten Zusatzartikel zur Verfassung, der das Recht der Bürger schützt, eine Waffe zu besitzen und zu tragen. Allerdings: Die Verfassung ist mehr als 200 Jahre alt, damals misstrauten die Amerikaner noch dem Staat und glaubten, sich selbst vor Gefahren schützen zu müssen. Auch wenn sich seitdem viel verändert hat: Diese Haltung ist in der US-Bevölkerung noch immer weit verbreitet.

Ändern wird sich wohl nichts

Immerhin: Es gab immer wieder Vorstöße von demokratischen Präsidenten. Etwa von US-Präsident Barack Obama, der nach einem Amoklauf im Jahr 2012 weinend in einer Rede versprach, für strengere Waffengesetze zu kämpfen. Doch auch er blieb erfolglos, weil die Republikaner gegen eine Änderung der Waffengesetze stimmten. Sie ist unvorstellbar mächtig, die Waffenlobby NRA mit ihren etwa fünf Millionen Mitgliedern. Sie unterstützte etwa den Wahlkampf von Donald Trump mit umgerechnet rund 27 Millionen Euro. Noch Fragen?

Auch Präsident Joe Biden kennt die politischen Strukturen. Man darf die Prognose wagen, dass sich auch diesmal nichts ändern wird. Das scheint auch Biden zu wissen, denn er sagte nach der jüngsten Tat etwas hilflos: „Wo, in Gottes Namen, ist unser Rückgrat, der Mut, mehr zu tun und den Lobbys die Stirn zu bieten?“ Eine Antwort darauf gab er nicht.

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