Schleswig-Holstein Musik Festival : Arabella verzaubert mit warmem Klang

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Zum Start des Schleswig-Holstein Musik Festivals ist eine der Welt besten Geigerinnen angereist: Arabella Steinbacher. Sie verzauberte mit warmem Klang. Ein fulminanter Auftakt des SHMF.

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12. Juli 2008, 11:46 Uhr

Lübeck | Eigentlich könnte man Arabella Steinbacher in diesem Musiksommer gleich in Schleswig-Holstein behalten: Das Festival feiert das Musikland Russland; und die junge Münchner Geigerin beherrscht die Violinkonzerte so ziemlich aller namhafter russischer Komponisten: Tschaikowsky, Strawinsky, Schostakowitsch, Prokofiev, Glasumov - sogar den hierzulande fast schon exotischen Aram Katchaturjan hat die 27-Jährige drauf. Beim Vorkonzert zur SHMF-Eröffnung spielte die "Nachwuchskünstlerin des Jahres 2007" zusammen mit dem NDR-Sinfonieorchester und dem Dirigenten Christoph von Dohnanyi allerdings nichts Russisches, sondern Brahms. Das ist aber auch ganz hübsch - bietet es doch mit dem ungarisch gefärbten dritten Satz eine Rückbesinnung an den vergangenen Festivalsommer.

Brahms Violinkonzert ist besonders heikel für junge Künstler - weil jeder, der was auf sich hält, das Werk schon mal gespielt hat und die Ansprüche an die Interpretation entsprechend hoch sind. Aber Steinbacher, Tochter einer Japanerin und eines Deutschen, muss sich vor niemandem verstecken. Technisch ohne jeden Makel beherrscht sie wilde Läufe, plötzliche Spitzentöne oder knifflige Doppelgriffe. Musikalisch meistert sie den ersten Satz mit dem wunderbar warmen, dunklen Klang ihrer Stradivari und einem schwelgerischen Zugriff bravourös. Der zweite gelingt als expressives Zwiegespräch mit der Violine. Und im ungarisch gefärbten Finale entfaltet sie eine ganz enorme Spielfreude - und wird dabei vom NDR-Sinfonieorchester ebenso umsichtig wie temperamentvoll begleitet.
Glanzvoller Festivalauftakt

Anschließend wurde es dann doch russisch: Die Sinfoniker präsentierten Igor Strawinskys Ballettmusik "Der Feuervogel". In seinem ersten Theaterwerk macht der Russe zwar noch Anleihen bei seinem Lehrer Rimski-Korsakow, bei Glinka, Tschaikowski oder auch Wagner - gleichwohl ebnete es seinen Weg zu internationalem Ruhm. Für die NDR-Musiker war das farbige, orchestral glänzende Werk ein gefundenes Fressen. Mit viel Temperament setzte man die Partitur um - und besonders das hymnische Finale sorgte für den richtigen Glanz des Festivalauftakts.

Heute Abend gibts das Programm gleich noch einmal zu hören. Dann aber mit Live-Übertragung auf 3SAT und NDRKultur sowie mit den offiziellen Reden zur Festivaleröffnung. Vielleicht fragt ja dann einer der Herren Arabella Steinbacher, ob sie in den nächsten Wochen noch das eine oder andere russische Violinkonzert zum Besten gibt...

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