Zusammenhang mit Castor-Transport? : Anschlag auf Bahnstrecke Hamburg-Berlin

Erst war von einer Störung der Signalanlage die Rede, dann von einem Brandanschlag. Der Zugverkehr auf der Strecke Berlin-Hamburg ist gestört - nicht weit entfernt von Gorleben.

Avatar_shz von
27. November 2011, 08:42 Uhr

Auf die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg ist ein Brandanschlag verübt worden - gut 60 Kilometer vom niedersächsischen Gorleben entfernt. Ein Zusammenhang mit dem Castortransport sei nicht auszuschließen, hieß es am Samstag aus dem Lagezentrum des Polizeipräsidiums in Potsdam. Der Verkehr auf der ICE-Strecke war gestört, aber nicht eingestellt.
Gegen 4.30 Uhr hatten Unbekannte bei Karstädt (Brandenburg) eine brennbare Flüssigkeit in einen Kabelkanal neben der Bahnstrecke gegossen und angezündet, wie die Bundespolizei in Berlin und das Polizeipräsidium Potsdam mitteilten. Bei dem Feuer wurden Kabel teilweise zerstört. Am Nachmittag teilte das Lagezentrum mit, dass es sich bei der Flüssigkeit vermutlich um Benzin gehandelt habe. Es seien keine Flaschen oder Kanister entdeckt worden.
Am Vormittag hatte ein Polizeisprecher noch gesagt, dass er momentan keinen Zusammenhang mit dem Atommülltransport nach Gorleben in Niedersachsen sehe. Karstädt liegt gut 60 Kilometer von dem Ort als Ziel des von Protesten begleiteten Atommüll-Transports entfernt.
Staatsschutz ermittelt
Weil ein politischer Hintergrund der Tat nicht ausgeschlossen werden könne, übernehme der Staatsschutz die Ermittlungen, hieß es bei der Polizei. Experten untersuchten am Samstag den Tatort.
Bislang gibt es laut Polizei noch keine Hinweise, wer für den Anschlag verantwortlich ist. Ein Bekennerschreiben habe bis zum Nachmittag nicht vorgelegen. "Es kann durchaus auch ein Einzeltäter sein", hieß es aus dem Lagezentrum.
Der betroffene Streckenabschnitt war zwar befahrbar, jedoch nicht mit Höchstgeschwindigkeit. Ein Bahnsprecher sagte, dass die Verspätungen bei maximal 15 Minuten gelegen hätten. Am Morgen hatten sich Reisende noch auf bis zu 60 Minuten einstellen müssen.
Anschläge auf Strecken in Berlin und Brandenburg
Die Bahn ging davon aus, dass die Störungen zwischen Wittenberge und Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) vermutlich noch bis Mitternacht andauern sollten. Bis dahin würden die Reparaturarbeiten an den Kabeln beendet sein, sagte der Sprecher am Nachmittag. Auf der Strecke fahren ICE- und Nahverkehrszüge. Weitere Stellungnahmen von der Bahn gab es mit Verweis auf die Ermittlungsbehörden nicht.
Bereits Mitte Oktober hatten Brandanschläge auf Bahnstrecken in Berlin und Brandenburg für Aufregung, Zugausfälle und Verspätungen gesorgt. Es wurden Brandsätze und entsprechende Flaschen entdeckt. In einem Bekennerschreiben protestierte eine linksextreme Gruppe gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Ein Zusammenhang mit dem jüngsten Brandanschlag ist nach Polizeiangaben nicht erkennbar.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen