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Terrorverdacht : Angreifer vor Pariser Polizeiwache hatte deutsche Sim-Karte

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Identität des getöteten Angreifers ist bisher unklar. Ermittler vermuten islamistischen Hintergrund.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 10:36 Uhr

Paris | Der vor einer Pariser Polizeiwache am Donnerstag erschossene bewaffnete Mann hatte eine deutsche Sim-Karte im Handy. Dies sagte der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt François Molins am Freitag in einem Interview des Radiosenders France Inter. Molins sagte, es gäbe Zweifel an den gestern bekannt gewordenen Angaben zur Identität des Mannes, der zwei Polizisten angegriffen hatte.

Der Vorfall ereignete sich genau ein Jahr nach dem Angriff von Terroristen auf die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“. Am 7. Januar 2015 wurden elf Menschen getötet, auf ihrer Flucht ermordeten die Täter noch einen Polizisten. Die Opfer gehörten zu den berühmtesten Karikaturisten Frankreichs. In den folgenden Monaten war Frankreich immer wieder das Ziel islamistischer Terroristen. Gewalttätiger Höhepunkt war die Mordserie in Paris und Saint-Denis im November, bei der 130 Menschen getötet wurden. Seitdem gilt in Frankreich der Ausnahmezustand.

Nach Angaben des Staatsanwalts ist die Identität des Mannes noch nicht abschließend geklärt. Der Mann habe sich bei einer Kontrolle vor einigen Monaten als Marokkaner ausgegeben. Der 20-Jährige soll im Zusammenhang mit einem gemeinschaftlichen Raub 2013 in Südfrankreich polizeibekannt sein. Als Geburtsort wird Casablanca in Marokko genannt, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag berichtete. Molins sagte, er sei überhaupt nicht sicher, dass diese Angaben korrekt sind. In dem bei ihm gefundenen Dokument gebe sich der Mann als Tunesier aus.

Er lief vor einem Pariser Kommissariat mit einem Schlachterbeil bewaffnet auf die zwei Polizisten zu und rief dabei auf Arabisch: „Allah ist groß!“ Der Mann hatte eine Abbildung der Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und ein Bekenntnis zu deren Anführer Abu Bakr al-Baghdadi dabei. Der Tatort nahe dem bei Touristen beliebten Viertel Montmartre wurde weiträumig abgesperrt. Viele Geschäfte und Restaurants mussten zwischenzeitlich schließen, auch Metro-Linien wurden unterbrochen.

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