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Kommentar zu Treffen von CDU und CSU : Angela Merkel und Horst Seehofer, das wird nichts mehr – aber was heißt das für die Union?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Verhältnis von Angela Merkel und Horst Seehofer sei nicht normal, sondern irrational und schwerstens gestört, meint unser Chefredakteur Stefan Hans Kläsener.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2016 | 08:10 Uhr

Kommentar: Im oberbayerischen Hobbykeller

Vor einigen Wochen ließ der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer Reporter in seinen oberbayerischen Hobbykeller und zeigte ihnen seine Modelleisenbahn. Dieses Freizeitvergnügen kennen viele aus ihrer Kindheit, und Profis verfolgen es auch im Erwachsenenalter. Merkwürdig an der eigentlich putzigen Geschichte stimmte eine Kleinigkeit: Seehofer hält sich eine Merkel-Figur von Playmobil, die er je nach Lust und Stimmungslage an unterschiedlichen Standorten positioniert – strafweise kommt sie schon mal aufs Fensterbrett. Das erinnert an Voodoo-Rituale und chinesische Schmerzpuppen. Spätestens an diesem Punkt wird klar: Das Verhältnis der beiden ist nicht normal, sondern irrational und schwerstens gestört.

Die bayerisch-restdeutsche christdemokratische Verstimmung geht inzwischen soweit, dass sich CDU und CSU nicht einmal auf einen Ort für ihr nächstes (Krisen-)Treffen Ende Juni einigen können. Solche Verhandlungen kennt man zwischen Nord- und Südkorea, aber nicht innerhalb einer Parteifamilie. Die weiter sinkenden Umfragezahlen für die große Koalition haben zweifelsfrei auch mit dem unionsinternen Zwist zu tun: Einer so zerstrittenen Bande kann keiner trauen.

Warum aber lenkt Merkel nicht ein, gibt Seehofer ein Zuckerstückchen, damit er sie wieder vom Fensterbrett in die Modellbahnlandschaft lässt? Merkel kann auch stur, und da sie bessere Nerven als Seehofer hat, kann sie sogar länger stur. Und sie hat einen entscheidenden Vorteil: Wer nächster Kanzlerkandidat der Union wird, steht fest. Wer nächster Ministerpräsidentenkandidat in Bayern wird, steht nicht fest. Seehofer hatte seinen Rückzug bereits angekündigt, ziert sich aber nun, nachdem sein Intimfeind Markus Söder klarer Favorit für die Nachfolge ist. Der gehört in der Seehoferschen Hobbykellerwelt ebenfalls aufs Fensterbrettchen, sogar dauerhafter als Merkel.

Was also bedeutet der schreckliche Streit zwischen den ungleichen Geschwistern? Seehofer muss Schüsse aus den eigenen Reihen mehr fürchten als Merkel. Ohne Merkel kann die Union die Bundestagswahl nicht gewinnen, ohne Seehofer die CSU sehr wohl Bayern halten. Der Freistaat wird wohl kaum an die AfD und mit Sicherheit nicht an die SPD fallen. Eher sollten sie sich vor den Grünen fürchten. Denn gegenüber diesen hat sich die CSU ähnlich sträflich verrannt wie vormals die CDU in Baden-Württemberg.

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