Landgericht Kiel : Angeklagte gestehen Taxi-Entführung

Ein Taxifahrer war sieben Stunden in der Gewalt von Entführern und durchlitt Todesängste - bis er nahe Owschlag fliehen konnte. Die geständigen Täter baten ihn vor Gericht um Verzeihung.

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25. April 2012, 09:14 Uhr

Kiel | Im Prozess um die Entführung eines Berliner Taxifahrers bis kurz vor die dänische Grenze haben die beiden Angeklagten am Dienstag vor dem Kieler Landgericht die Tat gestanden und sich bei ihrem Opfer entschuldigt.
Der 61-jährige, der erst seit zwei Jahren Taxi fährt, durchlitt nach eigenen Worten sieben Stunden lang Todesängste: "Ich dachte, das ist das Ende", sagte er am Dienstag vor dem Kieler Landgericht. "Ich habe nur gehofft: Hoffentlich komme ich wieder heil nach Hause zu meiner Frau und meinem Kind", sagte der 61-Jährige vor Gericht. Er könne seit seiner Entführung kaum mehr richtig schlafen und habe Angst vor der Rache der Täter. Er müsse aber weiter Taxi fahren. In seinem Alter bekomme er keinen Job mehr.
Tankstellenmitarbeiter glaubte Opfer nicht
Der schmächtige aus Indonesien stammende Mann hatte seine Entführer am 29. Oktober 2011 früh morgens am Berliner Hauptbahnhof zusteigen lassen. Erst nach einer siebenstündigen Schreckensfahrt gelang ihm beim Tanken auf der Raststätte Hüttener Berge an der A7 Hamburg-Flensburg die Flucht. Ein 56-jähriger Tankstellenmitarbeiter glaubte dem Verschleppten aber zunächst nicht. Vor ihm war der Taxifahrer auf die Knie gefallen und hatte um Hilfe gefleht.
Der Tankstellenmitarbeiter rief aber erst die Polizei, als er unbemerkt einen Blick in das Taxi warf und einen der Angeklagten mit einer Art Maschinenpistole sah. Die mutmaßlichen Entführer wurden wenig später im Zuge einer Großfahndung bei Owschlag (Kreis Rendsburg-Eckernförde) festgenommen und das Taxi sichergestellt.
Softair-Waffe ähnelt Maschinengewehr
Die Angeklagten sind beide 39 Jahre alt. Sie müssen sich wegen schwerer räuberischer Erpressung, einem räuberischen Angriff auf Leib und Leben eines Kraftfahrers und Freiheitsberaubung mit einer Waffe verantworten. Einer der massig wirkenden Männer, die ihr Opfer um Haupteslängen überragen, ist einschlägig vorbestraft. Er hatte eine langjährige Haftstrafe in Bautzen (Sachsen) verbüßt, bevor er mit dem Mitangeklagten in das Taxi stieg.
Beide hatten dem Taxifahrer zunächst kein bestimmtes Ziel genannt und ließen sich Richtung Hamburg kutschieren. Auf einem abgelegenen Parkplatz musste der 61-Jährige dann anhalten. "Du bist entführt. Wenn Du Dich vernünftig verhältst, wirst Du am Ziel freigelassen und nicht misshandelt und getötet. Dann kannst Deine Familie und Kinder wiedersehen." Dabei bedrohten die Männer das Opfer mit einer Softair-Waffe, die einem Maschinengewehr täuschend ähnlich sah.
Haft- und Bewährungsstrafen gefordert
Die Angeklagten ließen sich Bargeld zum späteren Tanken und Einkaufen geben, schalteten Handy und Funkgerät aus. Der Taxifahrer musste sich auf den Rücksitz setzen. Das Steuer übernahm einer der beiden mutmaßlichen Täter, der andere hielt die Waffe. Dass es nur eine ungeladene Softair-Waffe war, wirkt sich auf das Strafmaß aus, erläuterte Staatsanwalt Günther Hamann am Rande des ersten Prozesstages: Dadurch vermindere sich das Mindeststrafmaß von fünf auf drei Jahre.
Für ihr Geständnis hatte die 7. Große Strafkammer dem vorbestraften Angeklagten eine Haftstrafe von maximal viereinhalb Jahren zugesichert. Der andere kommt demnach noch mit einer Bewährungsstrafe davon. Beide 39 Jahre alten Männer verpflichteten sich zudem, ihrem Opfer 5000 Euro Schmerzensgeld in monatlichen Raten zu zahlen.
Auf diesen Deal hatten sich Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger nach Verlesung der Anklage verständigt. Mit einem knappen "Ja" bestätigten die Angeklagten die Erklärung ihrer Verteidiger: "Alle Vorwürfe der Anklage treffen vollumfänglich zu." Details wollten sie später nennen. Direkt zum Taxifahrer gewandt versicherten beide Angeklagte, dass das Opfer keine Angst mehr vor ihnen haben müsse. "Ich mache keine Rache", sagte einer der beiden Männer. Der andere sagte: "Ich möchte, dass Sie mir verzeihen. Haben Sie keine Angst um Ihr Leben und Ihre Familie." Für den 61-Jährigen war es bereits der zweite Überfall, den er als Taxifahrer in Berlin erlebte. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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