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Altkanzler Schmidt wirft EU-Führung Mutlosigkeit vor

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Paris (dpa) - Altkanzler Helmut Schmidt sagt seinen Weggefährten und Freunden im Ausland Adieu.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 07:00 Uhr

Paris (dpa) - Altkanzler Helmut Schmidt sagt seinen Weggefährten und Freunden im Ausland Adieu.

«Ich bin ein uralter Opa. 94 Jahre. Ich mache überall meine Abschiedsbesuche», sagte der SPD-Politiker bei einem Treffen mit dem früheren französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard dEstaing (87) am Mittwochabend in Paris.

In Rom, London, Peking und Polen sei er bereits gewesen. «Der einzige Abschiedsbesuch, der noch offen steht, ist Moskau und dann werde ich nicht mehr reisen», kündigte Schmidt an, der im Rollstuhl saß und wie immer eine Zigarette nach der anderen rauchte. Er werde dieses Jahr 95, das sei ein «schreckliches Alter».

Schmidt zeigte sich zugleich besorgt um Europa und warf den Verantwortlichen Mutlosigkeit bei der Krisenbekämpfung vor. «Die Regierungschefs und die Finanzminister haben einen Rettungsmechanismus nach dem anderen erfunden, einer heißt ESM, der andere EFSM - was weiß ich -, lauter Abkürzungen, die ich nicht mehr beherrsche», lästerte der 94-Jährige. Er sehe aber, «dass sie alle nicht funktionieren». Niemand habe den Mut, wirklich zu helfen.

Ein Lob vom Altkanzler gab es lediglich für EZB-Chef Mario Draghi. Die einzige Institution in Europa, die funktioniere und ihre Pflichten wahrnehme, sei die Europäische Zentralbank (EZB), sagte Schmidt. Grundsätzlich gebe es mehr eine Krise der Institutionen als eine Eurokrise. Der Euro sei derzeit völlig stabil und in keiner Weise in Gefahr.

Bei seinem Paris-Besuch von Dienstag bis Donnerstag wurde der SPD-Politiker unter anderem vom französischen Premierminister Jean-Marc Ayrault empfangen. Mit seinem politischen Weggefährten Giscard dEstaing diskutierte er in der Residenz der Deutschen Botschafterin über das Thema «Europa 2030 - welche Rolle für das deutsch-französische Paar».

Das vom früheren «Tagesthemen»-Moderator Ulrich Wickert geführte Gespräch mit Schmidt und Giscard dEstaing soll an diesem Sonntag (2. Juni, 17.00 Uhr) vom Sender Phoenix gezeigt werden. Die beiden Politiker amtierten in etwa zur gleichen Zeit. Schmidt war von 1974 bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt Bundeskanzler. Giscard dEstaing führte Frankreich von 1974 bis 1981 als Staatspräsident.

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