Wendland : Aktivisten stoppen Castor-Zug erneut

Eine Demonstration in Harlingen dauerte bis Sonntagmorgen. Polizisten schaffen hier eine Aktivistin von den Gleisen. Foto: dapd
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Eine Demonstration in Harlingen dauerte bis Sonntagmorgen. Polizisten schaffen hier eine Aktivistin von den Gleisen. Foto: dapd

An Schienen gekettet mit einer geheimen Technik: Greenpeace-Aktivisten haben den Castor-Zug in Vastorf stoppen lassen. Die Polizei hat Mühe, die Demonstranten zu befreien.

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27. November 2011, 06:41 Uhr

Atomkraft-Gegner haben den Castor-Transport am Sonntagnachmittag hinter Lüneburg zu einem neuen Zwischenstopp gezwungen. Der Sonderzug legte bei Vastorf einen Halt ein, weil die Polizei noch damit beschäftigt war, letzte angekettete Aktivisten von den Gleisen zu lösen. Drei der insgesamt vier Aktivisten hingen aber schon nicht mehr am Gleis, heißt es. Bei Vastorf hätten Aktivisten zwar auch Steine aus dem Gleisbett entfernt. Die Polizei sagte jedoch vor Ort, die Stelle müsse nicht repariert werden. Der Sonderzug solle unmittelbar nach der Trennung des letzten Aktivisten von den Schienen weiterfahren.
Insgesamt sieben Greenpeace-Aktivisten hatten sich Samstagabend mit einem Rohr zwischen Schotter und Schienenstrang, in dem ihre Arme stecken, an die Gleise gefesselt. Spezialisten der Polizei untersuchten die Ankett-Vorrichtung auch mit Sonden, um herauszufinden, wie sie die Greenpeace-Leute befreien kann. Wie die Technik genau funktioniert, geben die Umweltschützer nämlich nicht preis.
Einfach abflexen ging nicht
Zunächst wollten die Beamten die Angeketteten einfach abflexen - doch das gelang nicht. Zu groß war die Verletzungsgefahr der Aktivisten. So mussten sie zu Plan B greifen. Über etliche Meter schraubten Polizisten die Schienen von den Schwellen los. Dann wurden beide Enden mit einer schweren Flex durchtrennt. Nun konnten die Schienenstücke angehoben und die Angeketteten mit ihren Fesseln herausgezogen werden. Die teils sichtlich mitgenommenen Greenpaece-Aktivisten wurden zunächst von der Polizei ärztlich untersucht, ehe sie zur Personalfeststellung in Gewahrsam genommen wurden.

Auch bei Harlingen wurden Blockaden aufgelöst. Hier war es Samstagabend zu Ausschreitungen gekommen, bei denen Polizisten mit Gegenständen beworfen wurden, Barrikaden brannten und Böller in die Luft gingen. Erst am Sonntag war die Blockade nach etwa viereinhalb Stunden gegen 7.30 Uhr beendet. Demnach waren zuletzt zwei an die Gleise gekettete Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood gelöst und in Gewahrsam genommen worden. Zudem hatte die Polizei zwei Umweltschützer von Bäumen geholt. Nach Polizeiangaben hielten sich bei Beginn der Räumung gegen 3 Uhr am Sonntag mehr als 3000 Menschen im Gleisbereich auf. Castor-Gegner sprachen von bis zu 5000 Menschen auf den Schienen.
Harlingen liegt wenige Kilometer nordwestlich vor der Verladestation in Dannenberg. Dort sollen die elf Castor Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll an Bord vom Zug auf Tieflader umgehoben und ins etwa 20 Kilometer entfernte Zwischenlager Gorleben gebracht werden. Der Castor-Zug stand stundenlang im Rangierbahnhof Maschen südlich von Hamburg; dort war er nach seinem Start am Mittwoch im französischen La Hague am Samstag gegen 18.30 Uhr angekommen. Erst Sonntagmittag setzte er sich wieder in Bewegung, was aber auch mit einem Wechsel der Lok und des Personals zusammenhing.
Grünen-Vorsitzende verurteilt Vorgehen der Polizei
Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, hat auf dem Parteitag in Kiel das Vorgehen der Polizei kritisiert. Es sei nicht akzeptabel, "dass der Staat sein Visier runterklappt" und die Menschen mit Wasserwerfern und Schlagstöcken traktiere. Die Demonstrationen gegen den Atommüll-Transport seien legitim und "Ausdruck des zivilen Ungehorsams". Die Atomkraftgegner ließen sich ihr Demonstrationsrecht nicht nehmen.
Bis Sonntag Nachmittag schien es, als würde sich die Ankunft der radioaktiven Fracht im Zwischenlager Gorleben wegen starken Windes weiter verzögern. In Lüchow-Dannenberg stürmte es mit Böen in Stärke acht und mehr. Doch der Verladekran darf nach Angaben der Betreibergesellschaft GNS nur bis Windstärke sieben arbeiten. Von Montag an werden im Wandland nur noch Winde der Stärken sieben und niedriger erwartet, wie der Deutsche Wetterdienst am Sonntag Nachmittag in Hamburg erklärte. Das würde das Umladen der Behälter in der Verladestation Dannenberg vom Zug auf Tieflader nicht mehr gefährden. Wegen der Verzögerungen könne die Verladung frühestens in der Nacht zu Montag beginnen.

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