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Airline-Pleite : Air Berlin stellt voraussichtlich Ende Oktober den Flugverkehr ein

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Noch ist die Zukunft der insolventen Airline ungewiss. Klar ist nur, dass sich viele Beschäftigte einen neuen Job suchen müssen.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 16:24 Uhr

Berlin | Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin wird voraussichtlich Ende Oktober den Flugbetrieb einstellen müssen. Im laufenden Insolvenzverfahren sei ein eigenwirtschaftlicher Flugverkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Brief des Unternehmens an seine Mitarbeiter. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter werde weitergeführt. Das gilt nach Air-Berlin-Angaben auch für die 38 Maschinen, die inzwischen für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian fliegen.

Unklar ist, ob und welche AB-Flüge ab 28. Oktober von den neuen Eigentümern übernommen werden. Eine Entscheidung darüber kann es erst nach Abschluss der Verkaufsverhandlungen geben. Die Lufthansa will insgesamt 93 der noch 134 Flugzeuge übernehmen, Easyjet 27 bis 30.

Vorstandschef Thomas Winkelmann und der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren, Frank Kebekus, erinnerten in dem Brief daran, dass die vereinbarte Exklusivität der Verkaufsverhandlungen mit Lufthansa und Easyjet an diesem Donnerstag enden werde. „In wenigen Tagen werden wir mehr wissen“, hieß es zum Stand der Gespräche. Nicht jeder Air-Berlin-Mitarbeiter werde bei den Käufern eine neue Anstellung finden. Deshalb sollte sich jeder aktiv auf dem Arbeitsmarkt umschauen.

Über einen Sozialplan für Air-Berlin-Mitarbeiter, die nicht sofort neue Arbeitsplätze bekommen, wurden am Montag erste vorbereitende Gespräche mit dem Betriebsrat geführt. Die Verhandlungen würden sicherlich einige Tage dauern, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi. Verdi strebt auch die Einrichtung einer Transfergesellschaft an. Dafür fehlen aber bislang Geldgeber.

Im Air-Berlin-Konzern gibt es zurzeit rund 6800 Vollzeitstellen, die sich auf etwa 8000 Mitarbeiter verteilen. 900 Stellen bei Niki und 400 Stellen bei LG Walter sind nicht direkt von der Insolvenz betroffen. Etwa 300 Air-Berlin-Mitarbeiter haben laut Unternehmen bereits anderswo eine Anstellung gefunden. An diesem Dienstag wird am Berliner Firmensitz eine Jobmesse stattfinden, auf der große Unternehmen wie Deutsche Bahn und Zalando Arbeitsplätze anbieten wollen. Nach Einschätzung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben sich erst sehr wenige Piloten bei anderen Fluggesellschaften beworben. „Wir schätzen, dass von den 1250 Kollegen vielleicht 20 bis 50 diesen Schritt gegangen sind“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Montag.

In einer internen Mitteilung der Personalabteilung und des Generalbevollmächtigten Frank Kebekus vom 5. Oktober, die der dpa vorliegt, heißt es, dass „eine Fortführung des Geschäftsbetriebs aufgrund der hohen Verluste, die derzeit und prognostiziert dauerhaft entstehen, unmöglich und unzulässig“ sei. „Deshalb haben wir heute die Personalvertretungen und den Gesamtbetriebsrat der airberlin Luftverkehrs KG aufgefordert, Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan aufzunehmen.“

Die bisher zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mit mehr als 8000 Beschäftigten hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Vorerst geht der Flugbetrieb weiter, weil der Bund mit einem Kredit einsprang.

Kebekus und Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandeln mit der Lufthansa und mit Easyjet über den Verkauf, das Geschäft soll bis zum 12. Oktober unter Dach und Fach gebracht werden.

Die Geschäftsleitung betont in dem Schreiben, man setze sich bei den Bietern für möglichst gute Chancen für die Mitarbeiter ein. „Aber nicht jeder Airberliner wird dort unterkommen können“, heißt es. Aus diesem Grund habe das Unternehmen begonnen, im Intranet Informationen zu Jobmöglichkeiten zusammenzustellen. Zudem sind am Standort Berlin vom 10. und 13. Oktober Job-Messen geplant, wie aus einer internen Rundmail von Personalchefin Martina Niemann hervorgeht.

Der Betriebsrat hat sich bereits auf massenhafte Entlassungen eingestellt, wie aus einer Mitarbeiterinformation des Betriebsrats Nord hervorgeht. In dem internen Papier heißt es: „Alle Mitarbeiter werden gekündigt!!!“ Ziel sei es, die nötigen Verhandlungen noch im Oktober „final abzuschließen“. Ein Sprecher der Airline wollte sich dazu nicht äußern.

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