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Kommentar : AfD-Mann Björn Höcke bei Günter Jauch: Ein Hetzer entlarvt sich selbst

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schon zu Beginn der Sendung zeigte Höcke, in welche Richtung die folgende Stunde gehen wird: auf eine Irrfahrt national-populistischer Propaganda. Ein Kommentar von Stefan Beuke.

Es war ein bisschen wie bei einem Unfall. Man ist schockiert und schaut trotzdem hin – oder gerade deswegen. Objekt des Katastrophenvoyeurismus: der AfD-Politiker Björn Höcke in der Sendung „Günther Jauch“.

Das Auftreten des thüringischen AfD-Fraktionchefs führte sogar soweit, dass sich die ARD am Montag gezwungen sah, die Einladung des rechts-populistischen Talkshow-Gastes zu verteidigen. Die Redaktion habe sich bewusst dazu entschieden, Höcke einzuladen und sich kritisch mit seinen umstrittenen Thesen auseinanderzusetzen. So weit, so gut. Wenn man ihn aber einlädt, dann muss ein Moderator ihm auch die Stirn bieten. Günther Jauch gelang das nicht.

Schon zu Beginn der Sendung zeigte der thüringische AfD-Fraktionschef, in welche Richtung die folgende Stunde gehen wird: auf eine Irrfahrt national-populistischer Propaganda. Höcke, ein ehemaliger Oberstudienrat, versuchte sich als Stimme des Volkes zu stilisieren. Wie ein schlechter Zauberer zog er eine Deutschland-Flagge aus der Innentasche seines Jacketts und legte sie über seine Sessellehne. Der 43-Jährige sei aus einer „tiefen Liebe zu seinem Land“ in die Politik gegangen. Und er habe nun das „zentrale Symbol unseres Landes“ mitgebracht.

In Deutschland haben wir in den vergangenen zehn Jahren – vor allem durch die Fußball-Weltmeisterschaften – die Lockerheit zurückgewonnen, Nationalstolz zu zeigen. So wie es in anderen Ländern selbstverständlich ist. Sonntagabend konnte der Zuschauer jedoch schon nach der ersten Höcke-Sequenz leicht der Gedanke kommen: „Oh mein Gott.“ Oder frei nach Merkel: Das ist nicht mein Land.

Und es wurde noch schlimmer. In einem Einspieler schwadroniert Höcke darüber, dass Erfurt „schön deutsch“ sei und auch bitte bleiben möge: „Der Syrer, der zu uns kommt, hat immer noch Syrien. Wenn wir unser Deutschland verloren haben, dann haben wir keine Heimat mehr.“ Spätestens jetzt ließ sich die Frage stellen: Meint der Mann das ernst oder ist das gerade ganz merkwürdiges politisches Kabarett? Aber Höcke sieht nicht so aus, als ob seine herausragende Charaktereigenschaft der Humor wäre. Dafür dürften sich die Macher der ZDF-Satiresendung „heute show“ die Hände gerieben haben.

Der Titel der Sendung hieß „Pöbeln, hetzen, drohen – wird der Hass gesellschaftsfähig?“. Der Auftritt des AfD-Mannes war nichts anderes als Hetze. Wer Höcke einlädt, weiß, dass er Höcke bekommt. Aber der AfD-Mann und seine Partei haben sich mit diesem Auftritt selbst entlarvt. Das sollte eigentlich jedem klar sein. Nun hatte die Sendung 5,5 Millionen Zuschauer – und es ist zu befürchten, dass Höcke den einen oder anderen Menschen dennoch mit seiner Propaganda erreicht hat. Jeder einzelne wäre einer zu viel.

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erstellt am 19.Okt.2015 | 20:19 Uhr

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