Polen : Zwei Kinder von Wolf auf Spielplatz angegriffen

Polizeiangaben zufolge wurde das Tier, bei dem es sich mutmaßlich um einen Wolf handelte, von einem Jäger erschossen. Foto: imago/Martin Wagner
Polizeiangaben zufolge wurde das Tier, bei dem es sich mutmaßlich um einen Wolf handelte, von einem Jäger erschossen. Foto: imago/Martin Wagner

Nachdem ein Wolf zwei Kinder auf einem Spielplatz angegriffen hat, werden Forderungen nach Abschuss der Tiere lauter.

shz.de von
28. Juni 2018, 14:53 Uhr

Warschau | Der Albtraum vom bösen Wolf ist in Ostpolen wahr geworden. Auf einem Kinderspielplatz hat diese Woche ein Wolf einen zehnjährigen Jungen in dem Dorf Przyslup attackiert, später biss er ein achtjähriges Mädchen, das draußen spielte. Der Wolfsrüde wurde erschossen, denn es lag bereits eine Abschussgenehmigung des Umweltministeriums vor. Schon vor zwei Wochen war eine Touristin in dem Bieszczady-Gebirge attackiert worden.

Der Vorfall heizt die Diskussion in Polen wieder an, ob man Wölfe nicht abschießen soll. Die Landwirtschafts- und die Jägerlobby sind dafür. Das Tier genießt seit 1998 einen Schutzstatus.

Region lebt vom Tourismus

Die Untersuchung des Wolfes ergab keine Hinweise auf Tollwut. Tierarzt Bartosz Pirga erklärte am Donnerstag den Medien, dass dieser Canis Lupus zuvor Kontakte mit Menschen gehabt haben muss. Vor allem in der grenznahen Slowakei gebe es Menschen, die versuchten, Wölfe als Haustiere zu halten. Dies erkläre die mangelnde Scheu.

Die Frage ist entscheidend, denn nach polnischen Medienberichten wollen nun einige Bewohner der Gegend die Sache in die eigene Hand nehmen, also Fallen und vergiftete Köder auslegen. Viele in der Region leben vom Tourismus und wollen keine stornierten Übernachtungen wegen Meister Isegrim. Auch die gebissenen Kinder, die das Krankenhaus wieder verlassen haben, waren zu Besuch dort.

Verbreitungsgebiet des Wolfs in Deutschland. Foto: dpa
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Verbreitungsgebiet des Wolfs in Deutschland. Foto: dpa

Allein in der Region um das Bieszczady-Gebirge, das an die Slowakei und die Ukraine grenzt, sollen knapp 700 Wölfe leben, die das Problem von freilaufenden Hunden im Wald auf ihre Art gelöst hätten. Nach Angaben des Umweltamts in Rzeszow seien diese von ihren wilden Verwandten gefressen worden. Doch Wölfe gibt es auch anderswo: Bereits hat sich ein Wolfsrudel im Kampinos-Nationalpark in der Nähe der Hauptstadt Warschau angesiedelt.

Population wächst

Der Wolf vermehrt sich also, die genaue Anzahl ist unbekannt. Die letzte offizielle Schätzung des Umweltministeriums von 1484 Exemplaren in Polen aus dem Jahre 2015 gilt als überholt. Seit 2016 läuft ein Überwachungsprojekt von Wölfen und Luchsen in Polen, dessen Kosten von drei Millionen Zloty (690.000 Euro/800.000 Franken) größtenteils von der EU getragen wurden. Die Anzahl der Tiere soll 2020 bekannt werden.

Leicht zu errechnen ist dies nicht. Der Wolf wandert gern, die Wolfspopulationen in Mitteleuropa gehen auf das Wolf-Transitland Polen zurück. Noch lange vor Einführung des Schengen-Abkommens schwamm Isegrim durch Oder und Neiße auf deutsches Terrain und verbreitete sich dort mittlerweile bis in den fernen Schwarzwald.

WWF will Lösung finden

Der polnische Staat zahlt Landwirten, die Kälber oder Schafe durch Wölfe verloren haben, eine Entschädigung, doch die liegt unter dem Wert der Tiere. Auch gibt es Ärger, da die Gelder zu spät eintreffen. Allein im vergangen Jahr vermeldeten Betroffene in der wolfreichen Region Ermland-Masuren einen Schaden von 100.000 Zloty.

Die Sprecherin des Polnischen Jagdverbands, Diana Piotrowska, erklärt, dass man die „Population verwalten“ müsse, sprich Abschüsse freigeben solle. Dies würde die Tierzüchter und die Akzeptanz für den Wolf in der Gesellschaft erhöhen. Nach Meinung des Tierschutzvereins WWF Polska darf der Wolf jedoch nicht geschossen werden, nur in Notwehr. „Das Tier ist geschützt und es fürchtet normalerweise den Menschen“, so Pressesprecherin Katarzyna Karpa-Swiderek. Es gebe eine natürliche Selektion in der Natur. Der Verband will sich nun stärker mit Landwirten und Viehzüchtern zusammensetzen, um eine Koexistenz zu ermöglichen. Am 4. Juli ist ein Treffen in Schönbrunn (Jablonow) an der deutschen Grenze geplant.

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