YouTube-Originals gratis gucken : Warum kosten LeFloid und Phil Laude jetzt Geld?

Jetzt auch gegen Geld: 'LeFloid vs The World' ist eins der ersten drei deutschen YouTube Originals. Foto: Sebastian Gabsch/imago/Futurimage
Jetzt auch gegen Geld: "LeFloid vs The World" ist eins der ersten drei deutschen YouTube Originals. Foto: Sebastian Gabsch/imago/Futurimage

YouTube-Originals: LeFloid, Bullshit TV und Phil Laude drehen kostenpflichtige Serien. Erste Folgen gibt es aber gratis.

shz.de von
13. September 2018, 15:42 Uhr

Berlin | YouTube ist nicht mehr nur Plattform, sondern auch Produzent: Seit drei Jahren stellt das Unternehmen selbst professionelle Formate her, die nur über den kostenpflichtigen Dienst YouTube Premium (früher: YouTube Red) zu sehen sind. Für monatlich 11,99 Euro stehen gut 70 Comedy- und Reality-, Animations- und Doku-Serien bereit. In dieser Woche hat YouTube die drei ersten deutschen Produktionen vorgestellt. (Verdienen Sie jetzt das Doppelte? LeFloid im Interview über die YouTube-Originals)


"Neuland" und "Bullsprit": Comedy von Laude und Bullshit TV

Einer der Stars ist Phil Laude, der nach dem Ende seiner Comedy-Truppe Y-Titty die (fiktive) Talkshow „Neuland“ übernimmt. Zumindest versucht er es. Tatsächlich hat er einen Konkurrenten um den Gastgeber-Posten, der ständig querschießt: David Hasselhoff. Brainpool, die Produktionsfirma hinter der Serie, hat ihn tatsächlich als Co-Star engagiert. Auch „Bullsprit“ bringt Internet- und Film-Profis zusammen: In sieben Episoden versuchen Chris Manazidis sowie Sebastian und Philipp Meichsner – die Komiker hinter dem YouTube-Kanal Bullshit TV – ein verwaiste Tankstelle flottzumachen. Schützenhilfe kriegen sie von ausgebildeten Schauspielern wie Lore Richter und Oliver Korittke, der die Geschichte erzählt. Als finstere Gegenspielerin ist Andrea Sawatzki dabei.


Was ist "LeFloid vs The World"?

LeFloid, der auf YouTube die Nachrichtenlage der Welt kommentiert, ist mit einem journalistischen Format dabei: Im YouTube-Original „LeFloid vs The World“ verlässt er das Studio, um an der Wallstreet oder auf den bewohnten Müllhalden der Entwicklungsländer über Arbeit, Musik, die Liebe und das eigene Ich nachzudenken – im Gespräch mit Geldfälschern, Schönheitschirurgen, dem Model Toni Garrn oder der IWF-Chefin Christine Lagarde. (Will Smith springt für YouTube aus dem Heli – Originals-Chef Hyams erklärt es)

Wer zahlt für YouTube Geld?

Nach YouTube sieht keins der Formate mehr aus. Es gibt weder Comic-Schriften, noch eingeblendete Tweets, und statt der gewohnten Studiokulisse präsentiert LeFloid seinen Reiseetat in prächtigen Bildern. „Wenn man plötzlich so viel Geld ausgeben kann, muss es vom klassischen YouTube-Look weggehen. Das darf besser aussehen, das muss aufwändiger produziert werden – damit die Leute nachvollziehen können, warum sie für das Angebot als solches plötzlich zur Kasse gebeten werden“, sagt der 30-Jährige. Zu seinen Fans dürften viele Taschengeldempfänger gehören. Wie schätzt er deren Bereitschaft ein, dem Gratis-Anbieter schlechthin auf einmal 11,99 Euro zu überweisen – für derzeit um die 70 Eigenproduktionen? „Es geht eben nicht immer nur alles für lau“, sagt er und betont: „Wer umsonst gucken will, wie bisher, kriegt immer noch 100 Prozent LeFloid; wer zahlt, kriegt 120 Prozent.“

Ist YouTube das neue Netflix?

Wird YouTube jetzt also zu einem ganz normalen Netflix-Konkurrenten? „Ich glaube schon“, sagt LeFloid. Luke Hyams dagegen, der Chef des Originals-Programms in Europa, Arabien und Afrika, mag den Hinweis auf Netflix gar nicht: „In der aktuellen Phase liegt unser Investment in Eigenproduktionen für YouTube Prime weit unter dem, was Netflix und Amazon ausgeben. Der Vergleich ist unfair, und das auch weil wir mehr als die Originals bieten“, sagt er. In YouTube Premium ist auch das Spotify-Pendant YouTube Music enthalten; außerdem erlaubt der Account den werbefreien Zugriff auf das gesamte YouTube-Angebot, Downloads und das Streaming im Hintergrund anderer Apps.

Will Smith und Robert Downey jr. kommen

Vor allem aber soll YouTube Premium sich über die Inhalte unterscheiden. „Wir wollen etwas ganz Anderes und ganz Eigenes machen“, sagt Hyams und sieht die Garantie dafür schon in der YouTube-Umgebung selbst. Und tatsächlich fällt auf, wie sehr zumindest die deutschen Formate auf klassische YouTuber setzten. Schon jetzt fährt das Unternehmen aber eine Doppelstrategie, kauft Filme wie den südamerikanische Berlinale-Kandidaten „Museum“ mit Gael García Bernal, lässt Robert Downey jr. eine Doku-Reihe zur künstlichen Intelligenz präsentieren oder inszeniert ein Live-Event mit Will Smith – der Netflix mit dem Big-Budget-Monsterfilm „Bright“ gerade noch viel Spott eingehandelt hatte. Sein Auftritt verbindet den Mix aus Hollywood-Ruhm und YouTube-Routine am besten: Am 25. September will er seinen 50. Geburtstag feiern, indem er live aus einem Hubschrauber am Bungee-Seil in den Grand Canyon springt. Hyams: „Er wollte diesen einen, großen Event inszenieren, um Geld für wohltätige Zwecke einzuwerben – und an seinem 50. Geburtstag was richtig Cooles zu machen.“

LeFloid spricht Englisch

Wie viele YouTube-Zuschauer er dabei haben wird, ist ungewiss. Das Unternehmen legt die Zahl seiner Premium-Nutzer nicht offen. Interessieren dürfte die nicht zuletzt die Künstler selbst, die nicht nur per Gage honoriert werden, sondern auch an den Abo-Einnahmen beteiligt werden – wie gewohnt, in Abhängigkeit von den Zugriffen. Die sind besonders dann hoch, wenn Shows auch international funktionieren. Die besten Chancen dafür hat LeFloid, dessen Reihe als einzige auf Englisch gedreht wurde – für hiesige Fans untertitelt. „Ich habe keine Ahnung, ob das Publikum in den USA sich dazu durchringen kann, sich eine deutsche Produktion reinzuziehen“, sagt er selbst. Netflix hilft mit seinem Empfehlungssystem nach, das US-Fans von „Stranger Things“ zum Beispiel die deutsche Mystery-Serie „Dark“ vorschlägt. LeFloid: „Mal gucken, was YouTube da so deichselt: rote Kreise, rote Pfeile mit dem dicken Hinweis: Guckt LeFloid!“

„Bullsprit“: Sieben Episoden von 20 bis 36 Minuten wurde von Matthias Schweighöfers Pantaleon gemeinsam mit Mediakraft produziert und stehen ab sofort zum Abruf bereit. Episode 1 ist gratis.

„LeFloid vs The World“: Die ersten beiden Folgen (jeweils 22 Minuten) stehen bereits im Netz, weitere sechs sollen im Wochenrhythmus folgen. Produzent ist Studio71. Die erste Episode ist gratis bei YouTube zu sehen.

„Neuland“: Zwölf Episoden à 28 Minuten sind ab sofort bei YouTube Premium verfügbar, die ersten zwei Folgen sind gratis.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen