Wegen Ohrfeige im Gefängnis : 17-jährige Palästinenserin Ahed Tamimi ist wieder frei

Ahed Tamimi wurde zu Hause unter großem Jubel empfangen.
Ahed Tamimi wurde zu Hause unter großem Jubel empfangen.

Ihre Familie hat Ahed Tamimi jubelnd in die Arme geschlossen – nach fast acht Monaten Gefängnis für eine Ohrfeige.

shz.de von
29. Juli 2018, 09:46 Uhr

Tel Aviv | Fast acht Monate nach ihrer Festnahme ist die Palästinenserin Ahed Tamimi wieder frei. Nach ihrer Entlassung aus dem Scharon-Gefängnis in Israel wurden die 17-Jährige und ihre Mutter von der Gefängnisbehörde zunächst zu einem Übergang zum Westjordanland gebracht. Von dort transportierte die israelische Armee die beiden in ihr Heimatdorf Nabi Saleh nördlich von Ramallah, wo sie von ihrer Familie und Freunden jubelnd in Empfang genommen wurden. Tamimi stand wegen tätlichen Angriffs auf einen israelischen Soldaten vor einem Militärgericht.

Palästinensern gilt der Teenager mit den langen, dunkelblonden Locken als Symbolfigur des Widerstands gegen die israelische Besatzung. Israel sieht Tamimi dagegen als Provokateurin. Anklage und Verteidigung hatten sich im März in einem Deal auf eine achtmonatige Haftstrafe geeinigt. Tamimi war zusammen mit ihrer Mutter Nariman in Haft, die ebenfalls freikam.

Frühere Entlassung wegen überfüllter Gefängnisse

Tamimis israelische Anwältin Gaby Lasky sagte, die Frauen seien etwas früher entlassen worden. Dies sei übliche Praxis in Israel, weil die Gefängnisse so überfüllt seien. Ahed Tamimi hatte im Dezember in ihrem Heimatort Nabi Saleh im Westjordanland einem israelischen Soldaten vor laufender Kamera ins Gesicht geschlagen. Sie war damals noch 16 Jahre alt.

Symbolfigur des Widerstands

Auf einem Video, das sich schnell im Internet verbreitete, war zu sehen, wie Tamimi, ihre Mutter und eine Verwandte die Konfrontation mit zwei Soldaten suchten. Tamimi trat und schlug auf einen der Männer ein, ein Fausthieb traf ihn im Gesicht. Die Soldaten reagierten kaum. Die Frauen wurden nach dem Vorfall festgenommen.

Tamimis Vater Bassem sagte vor ihrer Freilassung, man wolle den Widerstand gegen die israelische Besatzung fortsetzen, "aber auf andere Weise". Jahrelange Proteste in Nabi Saleh seien nach der Festnahme der Frauen gestoppt worden. Die Familie strebe für die Zukunft ein normales Leben an. Ahed Tamimi träume von einem Jurastudium, "vielleicht in Großbritannien oder in Palästina".

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