Waldbrand bei Potsdam : Situation in Fichtenwalde weiter brenzlig – Weltkriegsmunition explodiert

Eine Feuerwehrfrau löscht einen Waldbrand in der Nähe des Autobahndreiecks Potsdam. Foto: Christian Pörschmann/dpa-Zentralbild/dpa
Eine Feuerwehrfrau löscht einen Waldbrand in der Nähe des Autobahndreiecks Potsdam. Foto: Christian Pörschmann/dpa-Zentralbild/dpa

Das Feuer entstand direkt an der Autobahn und breitete sich schnell aus. Die Anwohner können aufatmen – vorerst.

shz.de von
27. Juli 2018, 08:27 Uhr

Potsdam | Bei dem schweren Waldbrand am Autobahndreieck Potsdam hat die Feuerwehr die ganze Nacht über gegen die Flammen angekämpft. Dabei sollte auch ein spezieller Hubschrauber der Bundeswehr zum Einsatz kommen, der für Nachtflüge ausgerüstet war, wie das Innenministerium mitteilte. Zudem war am Abend ein Hubschrauber der Bundespolizei im Einsatz. Am Morgen sagte Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel im RBB-Inforadio: "Man hat es zwar im Griff", so Engel. „Aber man muss aufpassen, wie sich das heute entwickelt. Der Wind wird in den Morgenstunden wieder zunehmen und dann muss man sehen, wie man die Löschangriffe koordiniert."

Evakuierung abgewendet

Schwierig sei vor allem, dass die Einsatzkräfte nicht in das betroffene Gebiet hinein könnten, weil dort alte Kampfmittel im Boden lägen. „Es gab auch die ersten Informationen, dass es hier und da zu Detonationen gekommen ist", sagte der Waldbrandschutzbeauftragte. Deswegen sei Vorsicht geboten. Die Sicherheit der Helfer gehe vor.

Die Feuerwehrleute sorgten nun vor allem dafür, dass sich der Brand nicht weiter ausbreite. Dafür wurde unter anderem mit einem sogenannten Schaumteppich eine Barriere entlang des Europa-Radweges hergestellt. Unterstützung gab es am Donnerstagabend durch Hubschrauber der Bundespolizei und der Bundeswehr.

Möglicherweise sei noch mehr Hilfe von außen nötig, etwa aus Berlin. Im Moment reichten die Kräfte in Brandenburg noch aus, sagte Engel. „Wenn wir viele Brände haben, wird es eng", ergänzte er jedoch. Neben dem Großbrand in der Ortschaft Fichtenwalde beschäftigt die Brandenburger Feuerwehr vor allem auch ein großflächiges Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming.

Die zunächst angedachte Evakuierung der Ortschaft Fichtenwalde wurde abgesagt. "Die Gefahr ist erstmal gebannt", sagte der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU), am Donnerstagabend. Fichtenwalde, ein Ortsteil der für ihre Spargel bekannten Stadt Beelitz, zählt rund 2800 Einwohner. Von einer Evakuierung wären laut Ortsvorsteher Tilo Köhn etwa 200 bis 300 Bewohner betroffen gewesen.

Auch die Autobahnen 9 und 10 blieben weiterhin gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Es könne zu erheblichen Behinderung im Verkehr kommen. Betroffen waren die A9 ab Beelitz sowie die A10 Richtung Dreieck Werder ab Michendorf sowie Richtung Schönefelder Kreuz. Autofahrer mussten sich auf erhebliche Verzögerungen einstellen.

Aus einem Polizeihubschrauber ist in dem Waldstück zwischen Dreieck Potsdam und Fichtenwalde ein Waldbrand zu sehen. Foto:Polizei Brandenburg/dpa
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Aus einem Polizeihubschrauber ist in dem Waldstück zwischen Dreieck Potsdam und Fichtenwalde ein Waldbrand zu sehen. Foto:Polizei Brandenburg/dpa

Stauinsassen von THW versorgt

Nach Angaben des Vize-Landrats versorgten am Abend Helfer des THW Autoinsassen, die teils stundenlang im Stau steckten. Auch die Potsdamer Innenstadt war am Abend weitgehend dicht. Die Sperrungen wurden notwendig, weil dichte Rauchschwaden eine Gefahr darstellten. Zudem sollte der Weg für die Einsatzkräfte frei gehalten werden.

Das Innenministerium in Potsdam hatte einen Krisenstab eingerichtet, wie Sprecher Ingo Decker mitteilte. Die Federführung liege aber weiter beim Landkreis. Das Besondere an dem Feuer sei, dass eine Ortschaft und eine große Autobahn angrenzten. Es sei deshalb nicht mit Bränden in jüngster Zeit auf ehemaligen Truppenübungsplätzen vergleichbar, die meist abgelegen sind.

Nach Angaben des Waldbrandschutzbeauftragten Raimund Engel war das Feuer aus unbekannter Ursache an der Autobahn 9 entstanden. Anschließend habe es sich westlich vom Beelitzer Ortszentrum rasend schnell ausgebreitet. Zunächst war von rund 90 Hektar betroffenem Wald die Rede.

Bereits seit Tagen herrscht in weiten Teilen Brandenburgs höchste Waldbrandgefahr. Auch am Freitag sei flächendeckend mit einer sehr hohen Gefahr zu rechnen, sagte Engel.

Abkühlung ist vorerst nicht in Sicht: In Berlin und Brandenburg soll es auch am Freitag wieder hochsommerlich heiß werden. Die Temperaturen können in der Region auf bis zu 34 Grad klettern, wie der Deutsche Wetterdienst auf seiner Internetseite mitteilte.


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