Absurdes Video : Vorsicht Brüste – Museen protestieren gegen Nacktheitsverbot auf Facebook

Die drei Grazien von Rubens zeigen für Facebook entschieden zu viel Haut.
Die drei Grazien von Rubens zeigen für Facebook entschieden zu viel Haut.

"Wir müssen Sie vor Nacktheit schützen!": In einem belgischen Museum ist die Facebook-Polizei unterwegs.

shz.de von
27. Juli 2018, 15:19 Uhr

Antwerpen | Für Facebook sind Bilder nackter Körper etwas, wovor das Netzwerk seine User schützen möchte. So absurd das vielen Menschen – auch wegen Millionen von Hass-Postings, gegen die nichts unternommen wird – erscheint, so streng ist das amerikanische Unternehmen in dieser Hinsicht. Sind nackte (weibliche) Brüste zu erkennen, geht Facebook dagegen vor. Unabhängig davon, ob die Brüste gestern fotografiert oder vor 400 Jahren gemalt wurden.

15 belgische Museen haben sich in einem offenen Brief an Facebook gewandt, weil wiederholt Postings zensiert wurden, in denen Werke des flämischen Künstlers Peter Paul Rubens zu sehen waren, die nackte Brüste oder Pos zeigen. "Ihre kulturelle Zensur macht uns das Leben schwer, auch wenn wir insgeheim darüber lachen müssen", schreiben die Museen laut eines Bericht des "Tagesspiegels". Schließlich ist gerade Rubens für seine Akte bekannt. Die Museen nutzen Fotos der berühmten Werke meist, um auf Veranstaltungen und Ausstellungen aufmerksam zu machen. Facebooks Zensur erschwere ihnen ihre Arbeit.

Schutz vor Nacktheit

Sie sind nicht die ersten, die gegen die Prüderie der Firma protestieren, doch zeichnet sich der Protest der Belgier durch besonders viel Kreativität und Humor aus: Zusätzlich zu dem offenen Brief, schickte die Tourismusbehörde "Visit Flanders" zwei "Social-Media-Agenten" ins Rubenshaus nach Antwerpen, um die dortigen Besucher vor nackter Haut zu warnen. In einem Video der Aktion, das im Internet für viele Lacher sorgt, ist zu sehen, wie die zwei Männer – natürlich in blau gekleidet, der Facebook-Farbe – Museumsbesucher fragen, ob sie einen Social-Media-Account besitzen.

Wird die Frage bejaht, bugsieren sie die meist ungläubig blickenden Kunstliebhaber zu einem anderen Gemälde – ohne nackte Haut. Sie bringen die Facebook-Richtlinien in die reale Welt, wo diese ihre ganze Absurdität offenbaren.


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