Kommentar : Über die G7 und die Geschichte: Es kommt anders

Ein schönes Schlösschen in Kanada: Hier treffen sich die Vertreter der Industriestaaten der G7-Gruppe. Foto: Michael Kappeler/dpa
Ein schönes Schlösschen in Kanada: Hier treffen sich die Vertreter der Industriestaaten der G7-Gruppe. Foto: Michael Kappeler/dpa

Der Westen zerfällt. Historisch ist das keine Überraschung. Der Abstieg von Großmächten und Allianzen ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Ein Kommentar zum Auftakt des G7-Gipfels in Kanada.

shz.de von
08. Juni 2018, 16:40 Uhr

Osnabrück | Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Ein banaler Spruch, und doch so wahr. Er gilt im Alltag ebenso wie in der Weltpolitik und sollte mahnen, einen gegenwärtigen Zustand nicht für unabänderlich zu halten. Dabei hält die Geschichte mehr als genügend Beispiele bereit. Der Wahnsinn des Dritten Reichs – wer hätte ihn vorher für möglich gehalten? Der Mauerfall – selbst für größte Optimisten kamen Zeit und Ablauf überraschend. Auf kleinerer Ebene gibt es Dutzende, ach was, Hunderte solcher unvorhergesehenen und unvorhersehbaren Wendungen.

Wer will auf dieser Basis wirklich sagen, dass die Freundschaft zu den USA ewig währt? Und dass die EU auf Dauer angelegt ist? Es wäre ja schön. Aber die historische Erfahrung spricht dagegen und nicht dafür.

Vor genau hundert Jahren, im Ersten Weltkrieg, bekämpften sich drei Cousins ersten Grades. Die europäischen Monarchen hatten gemeinsam Segelurlaub gemacht, 1913 noch zusammen Hochzeit gefeiert. In diesem Licht tut Deutschland gut daran, die G7 nicht als Wertegemeinschaft zu verstehen, die sich automatisch und immer Rückhalt gibt. Das war nie so, es wird nie so sein. Eben damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt, sollte man mit ihnen stets als Möglichkeit rechnen und sie zu verhindern suchen.

Folgen Sie unserem Autoren gerne bei Twitter.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen