Von "MeToo" zu "MeTwo" : Twitter-Aktion: So allgegenwärtig ist Rassismus in Deutschland

Mesut Özil und sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft haben eine Debatte über Rassismus losgetreten.
Mesut Özil und sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft haben eine Debatte über Rassismus losgetreten.

Tausende Menschen erzählen im Internet von ihren Rassismus-Erfahrungen. Was das alles mit Mesut Özil zu tun hat.

shz.de von
27. Juli 2018, 12:14 Uhr

Hamburg | In Deutschland werden Menschen jeden Tag Opfer von Rassismus. Wer das nicht glauben will, muss momentan nur einen Blick auf den Kurznachrichtendienst Twitter werfen. Dort teilen Menschen mit Migrationshintergrund ihre Erfahrungen mit wüsten Beschimpfungen, unverschämten Gesprächspartnern und als Witz getarnten Beleidigungen. Es geht um die alltäglichen Momente, in denen sie ausgegrenzt und respektlos behandelt wurden.

Gesammelt werden die Alltagsgeschichten unter dem Hashtag "MeTwo".Gestartet hat die Aktion der Journalist Ali Can. Er wünscht sich "eine MeToo-Debatte für Menschen mit Migrationshintergrund", wie er in einem Video sagt, und spielt damit auf die öffentliche Diskussion über Sexismus an, die unter diesem Namen geführt wurde und wird. Unter "MeToo" hatten Frauen weltweit von ihren Erlebnissen berichtet – von sexueller Gewalt, aber auch von alltäglichen Herabwürdigungen aufgrund ihres Geschlechts.

"So dunkel bist du ja nicht"

Diese Idee nahm Can auf und rief Menschen mit Migrationshintergrund dazu auf, ihre Geschichten zu erzählen. Um deutlich zu machen, wie alltäglich Rassismus in Deutschland ist und wie viele Menschen davon betroffen sind. Tausende Menschen beteiligten sich in den vergangenen Tagen bereits an der Aktion.




"Auch ich habe einen Migrationshintergrund und den sieht man mir an. Was man mir aber nicht glauben will ist, dass ich für demokratische Werte einstehe", sagt Can in einem Statement zu seiner Aktion. Er erklärt auch den Namen "MeTwo": Die zwei stehe für seine verschiedenen Identitäten: Er fühle sich in Deutschland zu Hause, wo er arbeitet und lebt. Gleichzeitig könne er sich aber auch einer anderen Kultur oder einem anderen Land verbunden fühlen, das ihn oder seine Familie geprägt habe.

Can nimmt mit seiner Aktion Bezug auf die jüngsten Äußerungen von Mesut Özil. Der Fußballer hatte Rassismus in Deutschland und beim DFB thematisiert. Er habe ähnliche Erfahrungen wie Özil gemacht, der kritisiert hatte, dass er nur als Deutscher anerkannt werde, wenn er keine Fehler mache. "Ich bin nicht nur deutsch, wenn ich mich an die Regeln halte oder Erfolg habe. Ich bin es immer", sagt Can.






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