Eine Frage der Perspektive : Trump veröffentlicht seine Version des Fotos mit Merkel

Ein Bild wird zu Ikone: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M) spricht mit US-Präsident Donald Trump (r) während der Beratungen am Rande der offiziellen Tagesordnung. Emmanuel Macron (2.v.l), Präsident von Frankreich, Shinzo Abe (4.v.r), Ministerpräsident von Japan, und John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater der USA, verfolgen das Gespräch. Foto: dpa
Ein Bild wird zu Ikone: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M) spricht mit US-Präsident Donald Trump (r) während der Beratungen am Rande der offiziellen Tagesordnung. Emmanuel Macron (2.v.l), Präsident von Frankreich, Shinzo Abe (4.v.r), Ministerpräsident von Japan, und John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater der USA, verfolgen das Gespräch. Foto: dpa

Der US-Präsident fühlt sich auf dem berühmten Foto von ihm und Angela Merkel falsch dargestellt. Hier ist seine Version.

shz.de von
16. Juni 2018, 08:30 Uhr

Washington | Es ist alles eine Frage der Perspektiuve: US-Präsident Donald Trump hat das berühmt gewordene Foto von ihm und Angela Merkel im Kreise der G7-Politiker beim Gipfel in Kanada mit einer alternativen Bildauswahl gekontert. Trump veröffentlichte via Twitter am Freitag mehrere Fotos derselben Szene: Auf einem davon lächeln Merkel und Kanadas Premierminister Justin Trudeau, während Trump der Kanzlerin die Hand tätschelt.


Bild mit viel Symbolkraft

Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche ein Foto veröffentlicht, auf dem sich Merkel stehend und mit ernster Miene über ein Dokument beugt – ihr gegenüber sitzt Trump, ebenfalls mit ernstem Blick und über der Brust verschränkten Armen. Das Foto fand Verbreitung in aller Welt und dokumentierte in den Augen vieler Betrachter die Opposition Trumps gegen den Rest der G7 in der Handelspolitik – wie auch seine generelle Isolation im Kreise der Staats- und Regierungschefs.

"Ich habe ein großartiges Verhältnis zu Angela Merkel",schrieb Trump am Freitag. „Aber die Fake-News-Medien zeigen nur die schlechten Fotos (die Ärger implizieren) von den Verhandlungen über eine Vereinbarung, bei denen ich um Dinge bat, um die kein anderer US-Präsident vor mir gebeten hätte."

Ringen um die Deutungshoheit

Die Aufnahme des Fotos stammt von dem preisgekrönte Fotografen Jesco Denzel, der für die Bundesregierung arbeitet. In den sozialen Medien wurde das Bild zum Renner. Allerdings gibt es noch vier weitere Fotos von derselben Situation, kurz nacheinander veröffentlicht von vier weiteren Gipfelteilnehmern. Jedes Bild erzählt eine andere Geschichte.

Den Anfang machte, noch vor Seibert, die US-Regierung. Deren Foto zeigte einen engagiert argumentierenden Trump, umringt von Mitarbeitern.


Daraufhin veröffentlichte Paris seine Perspektive: Staatschef Emmanuel Macron steht im Zentrum und redet auf Trump ein. Die Bundeskanzlerin ist auf dieser Abbildung halb verdeckt.


Auch die Italiener brachten ein Bild in Umlauf: Ministerpräsident Giuseppe Conte, der auf das Verhandlungspapier blickt.


Den versöhnlichsten Eindruck vermittelt das Foto von Gastgeber Kanada. Aufgenommen von der Seite, zeigt es Trump, der mit den anderen Gipfelteilnehmern auf Augenhöhe verhandelt.



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