Kritik an Familientrennung : Trump-Regierung sperrt Kinder von Einwanderern in Zellen

<p>Da Grenzverletzer aus dem Süden generell als Kriminelle gelten, werden sie festgenommen und ihre minderjährigen Kinder in überfüllte Heime gesteckt. </p>
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Da Grenzverletzer aus dem Süden generell als Kriminelle gelten, werden sie festgenommen und ihre minderjährigen Kinder in überfüllte Heime gesteckt.

2000 Einwanderer-Kinder wurden seit Mitte April von ihren Eltern getrennt. Kritik dazu gibt es auch von Republikanern.

shz.de von
18. Juni 2018, 13:12 Uhr

Washington | Selbst die First Lady ist damit nicht einverstanden. Sie „hasse es, Kinder getrennt von ihren Familien zu sehen“, erklärte Melania Trumps Sprecherin und nahm damit Bezug auf die umstrittene Familientrennung bei illegalen Migranten. Die USA sollten ein Land sein, das „mit Herz regiert“ wird, so die First Lady.

 

Wie das US-Innenministerium am Freitag bekanntgab, haben Behörden zwischen dem 19. April und dem 31. Mai insgesamt 1995 Kinder von ihren Eltern getrennt, die illegal die Grenze überschritten hatten. Mehr als 100 dieser Kinder sind jünger als vier Jahre. Allein Säuglinge sollten nicht von ihren Müttern getrennt werden.

Zellen mit jeweils 20 Mädchen und Jungen

Im Frühjahr hatte die Trump-Regierung begonnen, eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber illegalen Einwanderern an der Grenze zu Mexiko durchzusetzen. Da Grenzverletzer aus dem Süden generell als Kriminelle gelten, werden sie festgenommen, und ihre minderjährigen Kinder werden in überfüllte Heime gesteckt.

Nach Angaben von Reportern leben die Kinder dort in Zellen mit jeweils 20 Mädchen und Jungen, Folien dienten als Decken. In Brownsville, Südtexas, beispielsweise ist ein altes Walmart-Einkaufszentrum in ein solches Heim umfunktioniert worden, aufgrund von Überfüllung werden von den Behörden inzwischen auch schon Zeltlager zur Unterbringung der Kinder vorbereitet.

 

Nicht nur bei den Demokraten stößt diese Politik auf Kritik. Die Oppositionsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise „beschämend“. Auch innerhalb der amerikanischen Bevölkerung macht sich massiver Protest gegen diese Praxis breit – und in Trumps Republikanischer Partei, die die Familienwerte traditionell hochhält.

Im ganzen Land wehren sich Demonstranten gegen Trumps Einwanderungspolitik. Foto: dpa
dpa
Im ganzen Land wehren sich Demonstranten gegen Trumps Einwanderungspolitik. Foto: dpa

Die frühere First Lady Laura Bush, Ehefrau des ehemaligen republikanischen Präsidenten George W. Bush, bezeichnet die Trennung von Eltern und ihren Kindern in einem Artikel für die „Washington Post“ als „brutal“ und „unmoralisch“. „Es bricht mir das Herz“, schreibt sie.

Die Bilder aus den Auffanglagern für Kinder erinnerten sie an die Internierungscamps japanischstämmiger Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs, die heute als eine der beschämendsten Episoden der US-amerikanischen Geschichte bezeichnet würden. Heute wisse man, dass diese traumatischen Erfahrungen für eine doppelt so hohe Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem vorzeitigen Tode gesorgt hätten.

Kritik kommt außerdem vom UNO-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein. Er bezeichnet die Trennung von Familien als „skrupellos“ und „unzumutbar“. Zudem könne dieser „behördlich genehmigten Kindesmissbrauch“ irreparable Schäden und lebenslange Konsequenzen verursachen, sagte er vor dem Menschenrechtsrat in Genf.

Ebenso kritisiert das Simon-Wiesenthal-Zentrum das Vorgehen: „Es ist keine Frage von einigen Tagen oder Wochen, sondern es könnte sich um Jahre handeln. Dies ist unhaltbar. Letztlich muss das kaputte Immigrationssystem repariert werden“, heißt es bei Twitter.

Das 1977 gegründete Zentrum mit Hauptsitz in Los Angeles ist mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekannt geworden. Es bemüht sich aber auch um die Förderung von Toleranz und kämpft in aller Welt gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord.

Justizminister Sessions rechtfertigt Vorgehen mit Bibelvers

US-Justizminister Jeff Sessions war nach der Anordnung der „Null-Toleranz-Politik“ in die Schlagzeilen geraten, nachdem er Bibelverse zitiert hatte, die das Vorgehen gegen Migranten aus seiner Sicht rechtfertigen sollen. „Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen“, heißt es unter anderem im Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 13. Diese Bibelstelle wurde unter anderem bereits von Südstaatlern zur Rechtfertigung der Sklaverei verwendet.

Viele der Einwanderer aus dem Süden stammen aus den zentralamerikanischen Staaten El Salvador, Guatemala und Honduras, oft sind sie auf der Flucht vor extrem gewalttätigen Jugendbanden und wollen Asyl in den USA beantragen. Auch bei ihnen wird die Familientrennung angewendet

Trumps Vorgänger Barack Obama hatte das Daca-Programm (Dekret zur Deferred Action for Childhood Arrivals) ins Leben gerufen. Es sollte jungen Migranten, die als Kinder mit ihren Eltern illegal in die USA eingewandert sind, einen temporären Schutzstatus geben. Sie konnten dadurch arbeiten oder eine Universität besuchen. Betroffen sind 750.000 bis 800.000 Menschen, die sogenannten „Dreamers“. Auch dieses Bleiberecht stampfte Trump wieder ein. Obama, der sich sonst nur selten zur Politik seines Nachfolgers äußert, kritisierte das Vorgehen scharf.

Trump selbst schreibt die Familientrennung übrigens den Demokraten zu. Sie sei die Folge von Gesetzen, die sein Vorgänger erlassen habe, betont der Präsident immer wieder. Zwar gibt es Gesetze aus der Obama-Administration, die den Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Migranten regeln. Allerdings sollen diese den Menschenhandel unterbinden und verhindern, dass Kinder ohne Eltern die Grenze überqueren. Unter Trump dagegen gelten alle illegalen Einwanderer als Kriminelle.

(mit dpa)

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