Insiderbericht in der "New York Times" : Trump-Mitarbeiter enthüllt: "Ich bin Teil des internen Widerstandes"

Erst ein Enthüllungsbuch, nun gibt es einen Bericht über eine interne Revolte gegen Donald Trump. Foto: imago/UPI Photo/KEN CEDENO
Erst ein Enthüllungsbuch, nun gibt es einen Bericht über eine interne Revolte gegen Donald Trump. Foto: imago/UPI Photo/KEN CEDENO

Die Zeitung hat einen Insiderbericht veröffentlicht über eine leise Revolte innerhalb der US-Regierung gegen Trump.

shz.de von
06. September 2018, 00:37 Uhr

Washington | Die Zeitung "New York Times" hat einen anonymen Insiderbericht veröffentlicht – angeblich verfasst von einem hochrangigen republikanischen Beamten der US-Regierung. Die Zeitung kenne die Identität des Autors, sehe aber bei Veröffentlichung des Namen seinen Arbeitsplatz gefährdet. Denn was der Unbekannte mitteilt, ist brisant: Innerhalb der Verwaltung im Weißen Haus formiere sich Widerstand gegen die Führung des US-Präsidenten Donald Trump. "Viele der leitenden Beamten innerhalb der Verwaltung arbeiten fleißig daran, Trumps fehlgeleitete Impulse zu vereiteln bis er aus dem Amt ist", heißt es in dem Bericht.

Der Autor sei einer von ihnen, weil er dem Land dienen wolle und Trumps Politik "der Gesundheit der Republik schade", schreibt er. Die Impulsivität Trumps führe immer wieder zu "halbherzigen und gelegentlich rücksichtslosen Entscheidungen." Viele Beschäftige im Weißen Haus und in anderen Abteilungen der Exekutive würden daher schon versuchen, ihre Arbeit vom Präsidenten abzuschirmen.

"Doppelgleisige Präsidentschaft"

Der Autor beschreibt die Situation im Weißen Haus als chaotisch. In internen Privatgesprächen werde immer wieder Fassungslosigkeit bekundet über die Kommentare oder Taten Trumps. "Aber die Amerikaner sollen wissen, dass immer auch Erwachsene im Raum sind. Wir versuchen zu tun, was richtig ist, auch wenn Donald Trump es nicht tut." Das Ergebnis sei dann eine "doppelgleisige Präsidentschaft": Trumps persönliche Nähe zu Autokraten und Dikatoren vertrage sich nur schlecht mit der harten Gangart der Abteilung der Nationalen Sicherheit. Letzterer habe sich Trump im Fall Russland jedoch fügen müssen.

Auch über die Option der Amtsenthebung sei intern gesprochen worden. Doch man habe sich dagegen entschieden, um die Lage nicht noch instabiler zu machen und eine Verfassungskrise zu vermeiden.

Mit Blick auf die amerikanische Gesellschaft und Verweis auf die Vision des verstorbenen Senators John McCAin verspricht der unbekannte Autor am Schluss: "Wir werden tun, was wir können, um die Verwaltung in die richtige Richtung zu lenken, bis sie – auf die eine oder andere Weise – vorbei ist."

Trump reagierte auf den Bericht mit den schon bekannten Schimpftiraden auf die "scheiternden Medien" und schob eine halbe Stunde später auf Twitter ein isoliert stehendes, großgeschriebenes "Hochverrat?" nach.

Trump sagte, der Gastbeitrag sei "anonym, das heißt feige". Seine Sprecherin Sarah Sanders nannte den Beitrag "erbärmlich, unverantwortlich und selbstsüchtig" und forderte die "New York Times" dazu auf, sich zu entschuldigen. Der Autor hintergehe den gewählten Präsidenten, statt ihn zu unterstützen, kritisierte Sanders. "Dieser Feigling sollte das Richtige tun und zurücktreten."

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