Verstorbener US-Politiker : Trump verhinderte offenbar Würdigung von John McCain

Flaggen der USA wehen auf Halbmast vor dem Kapitol als Reaktion auf den Tod von John McCain.
Flaggen der USA wehen auf Halbmast vor dem Kapitol als Reaktion auf den Tod von John McCain.

Aus der ganzen Welt kamen Beileidsbekundungen zum Tod von John McCain. Nur Washington hielt sich auffällig bedeckt.

shz.de von
27. August 2018, 06:56 Uhr

Washington | US-Präsident Donald Trump hat es einem Bericht zufolge abgelehnt, das Leben und Wirken des verstorbenen US-Republikaners John McCain in einer offiziellen Mitteilung zu würdigen.

Der Präsident habe hochrangigen Beratern gesagt, er ziehe es stattdessen vor, einen kurzen Tweet zum Tod seines scharfen Kritikers zu publizieren, berichtete die "Washington Post" am Sonntag unter Berufung auf ehemalige und aktuelle Berater im Weißen Haus. Dabei hätten unter anderem Trumps Sprecherin Sarah Sanders und sein Stabschef John Kelly für eine offizielle Würdigung plädiert und McCain einen "Helden" genannt. Sanders habe am Wochenende sogar eine Endfassung einer Mitteilung für Trump fertig gestellt – die dann aber nicht veröffentlicht worden sei.

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Denn Trump zog es tatsächlich vor, kurz nach McCains Tod am Samstag eine knappe, unpersönliche Nachricht auf Twitter zu veröffentlichen. In ihr sprach er McCains Familie sein Mitgefühl aus. Würdigende Worte fand Trump nicht, auch das Weiße Haus schickte keine längere Erklärung heraus. Auf Twitter löste Trumps Nachricht einen Sturm der Kritik aus. Andere Politiker in den USA und im Ausland reagierten dagegen mit Bestürzung und Trauer auf den Tod. McCain starb im Alter von 81 Jahren auf seiner Ranch in Arizona. Er litt an einem Gehirntumor.

Mark Corallo, ehemaliger Sprecher von Trumps Anwaltsteam, sagte laut Zeitung über Trumps Reaktion: "Es ist grässlich." Zu einem solchen Zeitpunkt würde man von einem US-Präsidenten mehr erwarten, wenn er über den Tod eines wahren amerikanischen Helden spreche.

Als Pilot der US-Navy war McCain in Vietnam in Gefangenschaft geraten und von den Vietcong gefoltert worden. Der republikanische Senator aus Arizona zählte später als Fachmann in der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu den prominentesten Mitgliedern des US-Kongresses. Er erwarb sich über die Parteigrenzen hinweg große Achtung – nur nicht bei Trump.

McCain wird öffentlich aufgebahrt

McCain soll sowohl im Kapitol in Washington als auch in seinem Heimatstaat Arizona öffentlich aufgebahrt werden. Als Termine nannten die Organisatoren für Phoenix in Arizona Mittwoch und für die Rotunde im Kongress-Sitz der US-Hauptstadt den Freitag. Am Mittwoch hätte McCain seinen 82. Geburtstag gefeiert.

In Phoenix soll am Donnerstag ein Gottesdienst gefeiert werden. Am Samstag wird eine private Trauerfeier in der Washingtoner National-Kathedrale folgen. Es wird damit gerechnet, dass McCain danach auf dem Gelände der Marineakademie in Annapolis im US-Staat Maryland beigesetzt wird, dazu wurden jedoch noch keine Einzelheiten mitgeteilt. Lokalen Medienberichten zufolge sollen die Ex-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush die Trauerreden halten. Trump werde wohl an keiner Veranstaltung teilnehmen.

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