Botschaft an Trump : Steinmeier lobt baltische Staaten für Einsatz für friedliches Europa

Im historischen Rathaus zu Münster überreicht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (von links) Kersti Kaljulaid, Staatspräsidentin Estlands, den Preis des Westfälischen Friedens, daneben Dalia Grybauskaite, Staatspräsidentin von Litauen und Raimonds Vejonis, Präsident von Lettland. Foto: dpa/Guido Kirchner
Im historischen Rathaus zu Münster überreicht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (von links) Kersti Kaljulaid, Staatspräsidentin Estlands, den Preis des Westfälischen Friedens, daneben Dalia Grybauskaite, Staatspräsidentin von Litauen und Raimonds Vejonis, Präsident von Lettland.

Der Bundespräsident hat in Münster Estland, Lettland und Litauen für ihre "unbeugsame Freiheitsliebe" ausgezeichnet.

shz.de von
14. Juli 2018, 14:58 Uhr

Münster | Die Verleihung des Westfälischen Friedenspreises führte gleich vier Staatsoberhäupter nach Münster: Bundespräsident Steinmeier ehrte die baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen für ihre vorbildhafte Freiheitsliebe. Für US-Präsident Trump hatte er auch eine Botschaft.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die baltischen Staaten für ihr optimistisches Eintreten für ein friedliches Europa gelobt. "Europa als Zukunft und Notwendigkeit: Manchmal scheint es mir fast, als seien uns die baltischen Staaten ein gutes Stück voraus, was Ernst und Lebendigkeit dieser Einsicht angeht", sagte Steinmeier am Samstag bei der Verleihung des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens an Estland, Lettland und Litauen.

Stellvertretend für die Bürger ihrer Länder nahmen die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite, die estnische Präsidentin Kersti Kaljulaid und der lettische Präsident Raimonds Vejonis den Friedenspreis entgegen. Sie dankten für die Auszeichnung und betonten, ihre Zukunft weiterhin in einem vereinten und starken Europa zu sehen – aller Herausforderungen und Differenzen innerhalb der EU zum Trotz.

Zusammenhalt gegen Trump

In seiner Laudatio unterstrich Steinmeier die "unbeugsame Freiheitsliebe" der Länder und ihre Überzeugung in der EU Freiheit, Selbstständigkeit und Rechtsstaatlichkeit zu finden. 30 Jahre nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion gelten die EU- und Nato-Mitglieder am nordöstlichen Rand Europas als demokratische Musterländer.

"Sie wissen: Nur gemeinsam sind wir stark", sagte der Bundespräsident. Mit Blick auf das durch andauernde Provokationen von US-Präsident Donald Trump unter Druck geratene transatlantische Verhältnis fügte er hinzu: "Wir brauchen einander als Partner und Freunde. Das ist Ihre und unsere Überzeugung. Unsere gemeinsame Hoffnung bleibt, dass das auch auf der anderen Seite des Atlantiks nicht vergessen wird."

Preis für Pfadfinder

Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Pfadfinder, die mit ihren weltweit rund 50 Millionen Mitgliedern zu einer friedensorientierten Entwicklung junger Menschen beitrügen, so die Jury. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hob in seiner Würdigung der Jugendpreisträger die Werte Toleranz und Freundschaft hervor, die die Pfadfinderbewegung so besonders mache.

Die Preisverleihung wurde in der Stadt mit großer Begeisterung verfolgt. Als sich die vier Staatsoberhäupter mit weiteren Ehrengästen nach dem Festakt im Rathaus der Stadt auf dem Balkon zeigten, jubelten ihnen Hunderte Bürger vom historischen Prinzipalmarkt aus zu. "Europa ist nicht nur eine Notwendigkeit. Europa ist unsere Zukunft. Die einzige die wir haben", rief der Bundespräsident ihnen unter großem Applaus zu.

Der insgesamt mit 100.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahren an jene vergeben, die zum Vorbild für Friedensarbeit in Europa und der Welt geworden sind. Stifterin ist die Westfälische Gesellschaft für Westfalen Lippe, ein Zusammenschluss von über 70 Unternehmern der Region. Zu den bisherigen Preisträger gehören die ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Helmut Schmidt (SPD) oder der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan.

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