Villa soll Begegnungsstätte sein : Steinmeier eröffnet Thomas-Mann-Haus in Los Angeles

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (rechts) und seine Frau Elke Büdenbender (Zweite von links) stehen anlässlich der Eröffnung des Thomas Mann Hauses zusammen mit dem Enkel des Schriftstellers, Fridolin Mann (Zweiter von rechts), und seiner Frau Christine Mann im ehemaligen Arbeitszimmer von Thomas Mann.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (rechts) und seine Frau Elke Büdenbender (Zweite von links) stehen anlässlich der Eröffnung des Thomas Mann Hauses zusammen mit dem Enkel des Schriftstellers, Fridolin Mann (Zweiter von rechts), und seiner Frau Christine Mann im ehemaligen Arbeitszimmer von Thomas Mann.

Es war das Weiße Haus des Exils. Nun soll es Ort der transatlantischen Debatte werden. Bedarf dafür gibt es jedenfalls.

shz.de von
19. Juni 2018, 07:10 Uhr

Los Angeles | Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der Eröffnung des Thomas-Mann-Hauses in Los Angeles die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und den USA trotz aller aktuellen Spannungen hervorgehoben. „Das Ringen um Demokratie, das Ringen um eine freie und offene Gesellschaft ist das, was uns, die Vereinigten Staaten und Deutschland, auch weiterhin verbinden wird“, sagte er am Montagabend (Ortszeit). Die Eröffnung sei «in diesen stürmischen Zeiten auch ein wunderbarer Augenblick für die Freundschaft zwischen unseren Ländern, betonte er laut vorab verbreitetem Redemanuskript.

Die ehemalige Villa des Schriftstellers Thomas Mann soll künftig als transatlantische Begegnungsstätte und Domizil für Stipendiaten genutzt werden. Die Bundesregierung hatte das Anwesen 2016 gekauft, um es vor dem Abriss zu bewahren. Daran war Steinmeier als Außenminister beteiligt. Als erste „Fellows“ kommen jetzt unter anderen der Schauspieler Burghart Klaußner und die Soziologin Jutta Allmendinger nach Los Angeles.

Enkel führt Präsidentenpaar herum

Bei der feierlichen Einweihung am Montagabend (Ortszeit) war auch Frido Mann (77), ein Enkel des Dichters, zugegen. Er führte Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender durch das Haus, in dem der Dichter zwischen 1942 und 1952 gelebt hatte. 1944 wurde Thomas Mann amerikanischer Staatsbürger. Die Enttäuschung über die US-Politik nach Kriegsende und die Kampagne des Senators Joseph McCarthy gegen vermeintlich kommunistische Umtriebe ließen ihn aber in die Schweiz zurückkehren, wo er 1955 starb.

<p>Das ehemalige Wohnhaus von Thomas Mann wurde vom Auswärtigen Amt 2016 erworben und saniert.</p>
dpa/Bernd von Jutrczenka

Das ehemalige Wohnhaus von Thomas Mann wurde vom Auswärtigen Amt 2016 erworben und saniert.

 

Das Haus der Familie Mann war in den 1940er-Jahren Treffpunkt Intellektueller wie Theodor Adorno, Albert Einstein oder Lion Feuchtwanger. Neben Werken wie dem Schlussband der Joseph-Trilogie und Doktor Faustus entstanden in Pacific Palisades auch zahlreiche Rundfunkbeiträge für die BBC, in denen Thomas Mann die deutschen Hörer gegen die Nazi-Diktatur und für eine antifaschistische Kultur mobilisieren wollte.

Es ist die erste Reise Steinmeiers als Bundespräsident in die USA. Am Dienstag wird er bei der Konferenz „The Struggle for Democracy“ die Eröffnungsrede halten. Danach fliegt er nach San Francisco weiter. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump wird es nicht geben. Dennoch dürften bei den politischen Gesprächen auch die aktuellen Erschütterungen der transatlantischen Beziehungen eine wichtige Rolle spielen, hieß es aus dem Bundespräsidialamt.

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