Flüchtlingsschiffe : Spanische Seenotretter retten 59 Migranten aus dem Mittelmeer

Migranten in einem Schlauchboot vor der Küste Libyens werden von der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms gerettet.
Migranten in einem Schlauchboot vor der Küste Libyens werden von der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms gerettet.

Italien blockiert seine Häfen für Flüchtlingsschiffe. Eine spanische Hilfsorganisation lässt sich davon nicht beirren.

shz.de von
30. Juni 2018, 16:09 Uhr

Rom | Trotz des Dramas um zwei Rettungsschiffe von Hilfsorganisationen hat eine spanische Hilfsorganisation Dutzende Migranten aus dem Mittelmeer gerettet. Proactiva Open Arms habe 59 Flüchtlinge aus dem Meer an Bord und sei unterwegs zu einem sicheren Hafen, twitterte die Organisation am Samstag. Allerdings war nicht klar, ob die Retter schon einen Hafen zugewiesen bekommen haben.



Einlauf für Proactiva Open Arms in italienischen Häfen nicht möglich

Italien hat seine Häfen für private Rettungsschiffe bereits dicht gemacht – und will auch Proactiva nicht hineinlassen. Die Schiffe "Aquarius" von SOS Méditerranée und "Lifeline" von der Dresdner Organisation Mission Lifeline durften nicht mehr dort anlegen und mussten deshalb mit Hunderten Migranten tagelang auf dem Meer ausharren. Die "Aquarius" durfte nach der Hängepartie nach Spanien, die "Lifeline" nach Malta. Aber auch Malta geht eine harte Gangart gegen Hilfsorganisationen und verweigerte bereits Schiffen die Einfahrt für einen Versorgungsstopp.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega erklärte umgehend, auch Proactiva könne "vergessen, in einem italienischen Hafen anzukommen". Das Schiff sei in libyschen Gewässern, der nächste Hafen sei Malta und es fahre unter spanischer Flagge. "Stopp der Menschenschmuggel-Mafia: Je weniger Menschen ablegen, desto weniger sterben." Italien will, dass die libysche Küstenwache die Migranten abfängt und zurück in das Bürgerkriegsland bringt.

Trotz aller Blockaden setzen sich weiter Migranten in die nicht hochseetauglichen Gummiboote in Richtung Europa. Erst am Freitag kamen vermutlich rund 100 Menschen ums Leben; die libysche Küstenwache brachte auch drei tote Kinder an Land. "Trotz der Hindernisse machen wir weiter, das Recht auf Leben der Unsichtbaren zu schützen", so Proactiva.

Noch rund 100 Migranten im Mittelmeer vermisst

Das Schicksal von rund 100 im Mittelmeer vermissten Flüchtlingen bleibt weiterhin unklar. Es wird befürchtet, dass sie nach dem Kentern eines Bootes vor der libyschen Küste alle ertrunken sind. Nach Angaben der Küstenwache des Landes waren auf einem alten und völlig überfüllten Holzboot rund 120 bis 125 Menschen vor allem aus Afrika unterwegs. Ein Überlebender habe berichtet, dass der Motor des Bootes in Brand geraten und daraufhin Panik ausgebrochen sei.

16 Menschen konnten der Küstenwache zufolge gerettet werden. Außerdem seien die Leichen von drei Kleinkindern geborgen und an Land gebracht worden, hieß es weiter. Weitere Opfer konnten demnach zunächst nicht gerettet werden, weil keine ausreichend großen Boote zur Verfügung standen. Unter den Vermissten sollen weitere Kinder sein.

Libyens Küstenwache fing nach eigenen Angaben zugleich erneut Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer ab. Bei mehreren Operationen seien mehr als 450 aufgenommen worden, teilte die Küstenwache am Samstag mit. Bereits am Freitagabend hatte sie erklärt, 345 Menschen an Bord von drei Booten abgefangen zu haben.

Libyen hat sich zum wichtigsten Transitland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa entwickelt. In dem nordafrikanischen Staat herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ein Bürgerkriegschaos.

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