"Mir reicht es jetzt" : Nutzer von Sonos-Lautsprechern verärgert über Kontozwang

Sonos-Produkte auf der Internationalen Funkausstellung IFA. Foto: Robert Schlesinger/dpa-Zentralbild/dpa
Sonos-Produkte auf der Internationalen Funkausstellung IFA. Foto: Robert Schlesinger/dpa-Zentralbild/dpa

Mit seinen vernetzten Lautsprechern gilt Sonos als Vorreiter – doch die Zukunftspläne sorgen für Proteste.

shz.de von
18. Juli 2018, 12:57 Uhr

Berlin | Besitzer von Sonos-Multiroom-Lautsprechern müssen künftig ein Konto einrichten, um ihr Musiksystem weiter verwenden und Updates installieren zu können.

Nach einer Aktualisierung der Steuerungsapp Sonos Controller seien bereits Nutzer aufgefordert worden, ein Konto zu erstellen, darunter sowohl Besitzer von iOS- als auch von Android-Mobilgeräten, berichtet das Fachportal "Heise online". Auf seinen Support-Seiten erklärt der Hersteller, dass ein Account schon bald Voraussetzung für die Nutzung von Sonos sein werde.

Der Hersteller erhebt seit einer Änderung der Datenschutzerklärung vor knapp einem Jahr schon deutlich mehr Daten als zuvor – nach eigenen Angaben vor allem für Produktverbesserungen und zu Supportzwecken.

Kommentaren in den App-Stores zufolge lehnen viele Nutzer einen Kontozwang ab. Sie befürchten etwa, dass über die Accounts vor allem Daten gesammelt werden sollen:

Nutzer im Android-Appstore

Ich bezahle viel Geld für die Hardware und soll nochmal mit Daten bezahlen? Ganz schlechte Policy!

Nutzer im iTunes-Store

Zwangsregistrierung geht gar nicht. Ich werde keine weiteren Geräte mehr kaufen – leider habe ich schon einige.

Nutzer im Android-Appstore

Mir reicht es jetzt. Es ist einfach unverschämt, auf welche Weise Sonos die App dazu benutzt, die Daten des Nutzers abzugreifen.

 

Sonos bezeichnet den geplanten Kontozwang dagegen als Schutzmaßnahme für das Musiksystem des Nutzers:


Trend zu sprachgesteuerten Assistenten erst spät erkannt

Sonos, gegründet 2002, ist ein Vorreiter bei vernetzten Lautsprechern für den gesamten Haushalt. Die Firma erkannte aber recht spät den aktuellen Trend zu sprachgesteuerten digitalen Assistenten in den Geräten. Dieser neue Markt wird von Amazons Echo-Lautsprechern mit der Assistenzsoftware Alexa beherrscht, während Google und Apple auf Aufholjagd gehen.

Sonos reagierte und ließ als ersten Schritt die Musikwiedergabe auf seinen Lautsprechern per Sprache über den Echo steuern. Inzwischen gibt es auch den Lautsprecher Sonos One mit Alexa an Bord. Als nächsten Schritt sollen die Geräte auch mit der Konkurrenz-Software Google Assistant nutzbar werden. Als einen Risikofaktor für sein Geschäft nennt Sonos auch, dass man auf die Kooperation der Firmen hinter der Assistenz-Software angewiesen sei.

Insgesamt wurden Sonos zufolge über 19 Millionen Sonos-Geräte in rund 6,9 Millionen Haushalten weltweit registriert. 61 Prozent davon hätten mehr als einen Sonos-Lautsprecher im Einsatz. Im vergangenen Geschäftsjahr machte Sonos gut die Hälfte seiner Erlöse von 992 Millionen Dollar in Nord- und Südamerika. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen von 108 auf 124 Millionen Dollar.

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