Warnung vom Schlafforscher : Deshalb ist die Schlummertaste des Handys sinnlos

Alle neun Minuten klingelt das Handy. Die Schlummer-Taste ist zum Trend geworden. Foto: Bosse
Alle neun Minuten klingelt das Handy. Die Schlummer-Taste ist zum Trend geworden. Foto: Bosse

Neun Minuten schlummern: Der erste Griff des Tages geht für viele zum Smartphone. Dabei ist das eher kontraproduktiv.

shz.de von
06. August 2018, 16:55 Uhr

Hamburg | Jeden Morgen klingeln überall in Deutschland die Wecker. Doch für viele ist das noch nicht das endgültige Signal, um sich auch tatsächlich aus dem Bett zu bewegen. Zumindest nicht mehr, seitdem es die Schlummer- oder auch Snooze-Funktion genannt auf Handys gibt.

Inzwischen lassen sich die meisten Nutzer dieser Funktion bereits extra eine halbe Stunde früher wecken, nur um noch ein paar Mal auf die Schlummertaste zu drücken und im Bett liegen zu bleiben. Aber hilft dieser neunminütige Weck-Rhythmus überhaupt gegen die schier endlos erscheinende Müdigkeit oder ist eher das Gegenteil der Fall?

Dr. Ingo Fietze, Schlafforscher und Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité in Berlin, sagt dazu: "Das macht überhaupt keinen Sinn. Die Menschen schlafen ohnehin immer weniger, als es für sie gesund wäre. Den Schlaf noch eher zu unterbrechen, nur um zu schlummern, ist völlig sinnlos."

"Lieber länger schlafen und direkt aufstehen"

Denn die Intervalle, in denen man wiederholt geweckt wird, seien zu kurz, um eine tatsächliche Schlafqualität zu erzeugen, erklärt Fietze und führt aus: "Dann lieber eine halbe Stunde länger schlafen und direkt aufstehen. Davon hat man deutlich mehr. Und wenn jemand das Gefühl hat, noch mehr Schlaf zu brauchen, dann sollten lieber die Zubettgehzeiten verändert werden."

Das Problem beim Schlummern ist das häufige Wecken, sagt Fietze. Bei jedem Wecken schütte der Körper Adrenalin aus. So entstehe eine künstlich erweckte Erregung, die eigentlich vermieden werden sollte. Denn mehrfache Adrenalin-Kicks seien nicht gut für unseren Körper.

Natürlich gebe es auch immer Ausnahmen: "Für wen diese Art des Aufstehens angenehmer ist, der soll das auch weiterhin praktizieren, aber jeder Mensch braucht mindestens sieben Stunden richtigen Schlaf. Die Schlummerzeit sollte nicht davon abgehen. Am Wochenende kann man das entspannt machen, wenn man spätestens nach zehn Stunden aufstehen will, aber unter der Woche ist das eher weniger praktikabel."

Möglicherweise kennen einige auch das Gefühl, nach mehrfachem Schlummern müder zu sein, als sie es noch beim ersten Wecken waren. Das liege an der "Wohlfühlschlafmenge", die jeder Mensch ganz individuell für sich hat. Fietze: "Wenn die Schlafmenge überschritten wird, die der Körper braucht, kann es sich durchaus so anfühlen, als wenn man müder ist." Demnach heißt mehr schlafen nicht unweigerlich, sich auch ausgeschlafener zu fühlen. Ein Grund mehr, morgen nicht auf die Schlummertaste zu drücken.

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