Neuer "Trendbegriff" : "Seehofern" im Duden? Spott im Netz für CSU-Chef

Kann sich einfach nicht entscheiden, was er will: Horst Seehofer.
Kann sich einfach nicht entscheiden, was er will: Horst Seehofer.

Nach dem Hin und Her des CSU-Chefs im Asylstreit: Im Internet wird über die Seehofersche Unentschlossenheit gelacht.

shz.de von
04. Juli 2018, 12:23 Uhr

Hamburg | "Mach ich's, mach ich's nicht...?" Am späten Sonntagabend, die CSU saß im Zuge des Unionsstreits gerade in einer Vorstandssitzung, sickerte langsam das Gerücht durch, Horst Seehofer hätte angeboten, von seinen Ämtern als Parteichef und Innenminister zurückzutreten. In den frühen Montagmorgenstunden dann trat er schließlich selbst vor die Kameras und bestätigte die Spekulationen: "Ich habe ja gesagt, dass ich beide Ämter zur Verfügung stelle, dass ich das in den nächsten drei Tagen vollziehe", sagte er. Als "Zwischenschritt" werde man aber ein Gespräch mit der CDU führen – "in der Hoffnung, dass wir uns verständigen." Alles Weitere werde anschließend entschieden.

Stundenlang wurde daraufhin gerätselt, ob Seehofer seine Drohung tatsächlich wahr machen würde. Schon während der Koalitionsgespräche mit CDU und SPD hatte er schließlich mit einem Rücktritt gedroht, würde kein wichtiges Amt für ihn rausspringen. Und auch damals schon hatte er es bei dieser Drohung belassen.

Am Dienstag schließlich war klar: Seehofer würde auch diesmal bleiben. "Des is scho wieder Geschichte", sagte er, darauf angesprochen, ob er Kanzlerin Angela Merkel mit seiner Drohung lediglich erpressen wollte.

Weiterlesen: Alle Entwicklungen zum Asylkompromiss im Liveblog

Viele Internetnutzer reagieren auf das Schauspiel des CSU-Chefs mit Humor. Und auch die Autovermietung Sixt, bekannt dafür, besonders schnell aktuelle Themen in ihrer Werbung aufzugreifen, nahm die Seehofersche Unentschlossenheit zum Anlass für eine Anzeige: "Egal, wie Sie sich entscheiden: bis zur letzten Minute kostenlos zurücktreten."

Auch Nutzer von Internet-Kleinanzeigen kennen dieses Problem. "Erst sagen, dass man etwas will und dann plötzlich doch nicht mehr", heißt es bei Twitter: "Auf eBay Kleinanzeigen kennt man die Seehofer-Taktik schon lange."

Ebenso in den Duden hat es der Begriff "seehofern" bei einigen Internetnutzern schon geschafft. Das "ganz schwache Verb" steht für "es sich im letzten Moment noch anders überlegen" oder "große Ankündigungen im letzten Moment zurückziehen". Ein Beispiel: "Ich hatte meine Sporttasche schon gepackt, doch dann seehoferte ich."

Bleibt nur noch abzuwarten, wann der Innenminister selbst das nächste Mal "seehofern" wird. Noch ist der Asylstreit schließlich nicht beendet.

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