Beute "unbezahlbar" : Schweden: Unbekannte stehlen Kronjuwelen und fliehen mit Motorboot

Aus einer Kathedrale in Strängnäs nahe Stockholm haben Unbekannte historische Stücke erbeutet. Foto: Pontus Stenberg/TT News Agency/AP
Aus einer Kathedrale in Strängnäs nahe Stockholm haben Unbekannte historische Stücke erbeutet. Foto: Pontus Stenberg/TT News Agency/AP

Zwei Kronen und ein Zepter aus dem 17. Jahrhundert werden vermisst. Die Polizei geht nun zahlreichen Hinweisen nach.

shz.de von
01. August 2018, 16:02 Uhr

Strängnäs | "Bislang fehlt uns jede Spur von den Dieben. Sie können sich ins Ausland abgesetzt haben oder sich in Schweden versteckt halten. Aber die Kronjuwelen zu verkaufen, dürfte so gut wie unmöglich sein. Wir bitten die Allgemeinheit dringend um Tipps", fasst Stefan Dangardt von der schwedischen Polizei die Lage gegenüber unserer Zeitung am Mittwochnachmittag zusammen.

Mindestens zwei Diebe haben, laut Augenzeugen, kurz vor 12 Uhr am Dienstag in der zu jenem Zeitpunkt Besuchern offen stehenden Domkirche zu Strängnäs die sehr bedeutsamen schwedischen Kronjuwelen mitgehen lassen. Sie waren eigentlich in alarmgesicherten Glasvitrinen aufbewahrt.

Die Diebesbande soll mit den Kostbarkeiten vom Dom runter zum Fluß Mälaren gerannt sein, von wo sie mit einem kleineren, offenen Motorboot flüchteten.

Zwei Täterbeschreibungen

Die Polizei fahndet nach mindestens zwei Männern. Einer soll etwa 1,80 Meter lang sein, schlank und zum Tatzeitpunkt eine beige Jacke und dunkle lange Hosen getragen haben. Der andere soll etwas kleiner aber muskulöser sein, mit dunklem Haar oder einer dunklen Kappe sowie mit einer dunklen Jacke bekleidet. Mit Helikoptern soll die Polizei die Gewässer auf- und abgeflogen sein auf der Suche nach dem Motorboot.

Bei den historischen Kronjuwelen handelt es sich um zwei prunkvolle Kronen und einen Reichsapfel aus dem frühen 17. Jahrhundert. Eine der beiden entwendeten Kronen und der Reichsapfel waren für die Beerdigung von König Karl IX., Sohn vom großen Schwedenkönig Gustav Vasa im Jahr 1611 hergestellt worden. Die zweite Krone wurde für die zweite Ehefrau von König Karl IX., Königin Kristina hergestellt.

Kostbare Grabbeigaben

Alle drei gestohlenen Gegenstände sollen bei der Beerdigung König Karl IX. 1611 beigelegt worden sein, auch die Krone seiner Frau, die ihm aber erst 1625 ins Grab folgte.


Gestohlen wurden zwei Kronen von 1611, die König Karl IX. und seiner Frau Königin Christina gehörten und dem Königspaar mit ins Grab gegeben worden waren.
Polizei
Gestohlen wurden zwei Kronen von 1611, die König Karl IX. und seiner Frau Königin Christina gehörten und dem Königspaar mit ins Grab gegeben worden waren.


"Wir ermitteln zu Land, Luft und im Wasser", sagt Dangardt. Der Fluss Mälaren ist weit verzweigt. "Die Diebe können überall sein", so Dangardt.

Beim Diebstahl soll zumindest niemand bedroht worden oder zu Schaden gekommen sein, sagte Catharina Fröjd von der Domkirche der Lokalzeitung "Eskilstuna Kuriren".

Die Kronjuwelen seien so wertvoll, dass sie kaum in Geld aufgewogen werden könnten, hieß es von der Domkirche. "Sie sind natürlich versichert. Aber der kulturelle Wert übersteigt bei weitem den materiellen. Das sind einzigartige Gegenstände, wohlbekannt und nicht verkaufbar in Schweden und vermutlich auch nicht international", unterstreicht auch Christofer Lundgren Dompropst von Strängnäs am Mittwoch. Die Domkirche blieb vorerst für die Spurensicherung geschlossen.

Nach den Reichsregalien soll es sich bei den entwendeten Begrabungs-Regalien um die zweitwertvollsten im schwedischen Königreich handeln, laut "Eskilstuna Kuriren". Regalien wurden den Monarchen in vielen Teilen Europas bei ihren Beisetzungen hinzugelegt. Zusammen mit der Leiche, die vor der Bestattung im offenen Sarg zur Schau gestellt wurde, sollten sie bezeugen, dass da der echte König liegt und tot ist. Die Tradition soll aus der Römerzeit stammen, so der "Eskilstuna Kuriren".

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