Vom Weißen Haus veröffentlicht : „Schlechte Reality-Show“: Verwirrung um Video zum Nordkorea-Gipfel

'Ich glaube, er hat es gemocht', so Trump, nachdem er Kim das Video gezeigt hat. Foto: dpa
"Ich glaube, er hat es gemocht", so Trump, nachdem er Kim das Video gezeigt hat. Foto: dpa

Ganz großes Kino: Donald Trump und Kim Jong-un sind die Helden eines neuen Hollywood-Traums.

shz.de von
13. Juni 2018, 11:40 Uhr

Singapur | Erst winkt Donald Trump von der Gangway der „Air Force One“, dann grüßt Kim Jong-un in den Menge. Dazwischen Ansichten von Großbaustellen, ein Basketballer, der einen Ball in den Korb wirft, Sonnenaufgänge und Pferde, die in Zeitlupe durch Wasser laufen.

Zu Beginn der Pressekonferenz, die im Anschluss an die Gespräche zwischen dem US-Präsidenten und dem nordkoreanischen Staatschef in Singapur stattgefunden hat, wurde ein Video gezeigt, das viele der Anwesenden irritiert hat. Wie die Washington Post schreibt, dachten einige Zuschauer zunächst, es würde sich um einen Propagandafilm aus Pjöngjang handeln. Doch verantwortlich für das Video ist das Weiße Haus.

Der Film ist vier Minuten und zwölf Sekunden lang und im Stil eines Trailers für einen Hollywood-Film produziert. „A Destiny Pictures Production“ ist zu Beginn zu lesen (wobei Mark Castaldo, Eigentümer einer gleichnamigen Produktionsfirma bestreitet, für das Video verantwortlich zu sein), dann sind in Zeitraffer kurze Sequenzen von Menschen und Autos zu sehen - zuerst aus dem Westen, dann aus Nordkorea.

Es wird Big Ben gezeigt und die Reichstagskuppel. Darunter ist Musik zu hören und ein Sprecher, der Sätze sagt, wie: „Aus der Dunkelheit kann ein Licht kommen. Und das Licht der Hoffnung kann hell leuchten.“ Und immer wieder sind Trump und Kim zu sehen. „Eine Geschichte der Möglichkeit. Eine neue Geschichte. Ein neuer Anfang. Ein friedlicher. Zwei Männer. Zwei Anführer. Ein Schicksal.“

Das Video habe Donald Trump auch Vertretern Nordkoreas während des Treffens vorgespielt. Kim sollte damit überzeugt werden, einen Deal mit Trump abzuschließen. In farbigen Bildern ist zu sehen, wie die Zukunft Nordkoreas mit einer Öffnung des Landes aussehen könnte - die Vergangenheit mit Zäunen und Militär ist in schwarz-weiß gehalten. Das Video solle Kim überzeugen, zum „Helden seines Volkes“ zu werden. Und Trump zeigte sich nach dem Treffen überzeugt davon, dass das funktioniert hat: „Ich glaube, er hat es gemocht. Ich glaube, sie waren fasziniert davon.“      

„Die Art Video, die ein Immobilien-Entwickler potenziellen Kunden zeigt“  

Produziert wurde der Film vom Team um Trumps Nationalen Sicherheitsberater John Bolton. Es sei gemacht worden, „um dem Präsidenten dabei zu helfen, (den Nordkoreanern) die Vorzüge einer vollständigen atomaren Abrüstung sowie die Vision einer friedlichen und wohlhabenden koreanischen Halbinsel vor Augen zu führen“, erklärte ein Sprecher.

Viele Facebook-Nutzer äußern sich irritiert zum Video. „Ich konnte das nicht einmal zu Ende ansehen. Es erinnert mich an Scientology-Videos“ lautet einer der Kommentare, „Propaganda in seiner reinsten Form“ ein anderer auf der offiziellen Seite des Weißen Hauses. „Diese Präsidentschaft ist zu einer richtig schlechten Reality-Show geworden... bitte sag mir, dass sie bald abgesetzt wird!“
 

Es gibt aber auch Lob für das Video: „Das ist so gut und so, so klug! Präsident Trump, wir stehen hinter Ihnen und beten für Sie!“, schreibt ein Nutzer, „das ist gut gemacht und auf den Punkt gebracht. Großartig und berührend! Perfekt!“

Der US-Abrüstungsexperte Jon Wolfsthal sagte der Zeitung „The Guardian“: „Das ist genau die Art Video, die ein Immobilien-Entwickler potenziellen Kunden zeigt. Ich habe meine Zweifel, ob das den gewünschten Effekt hatte.“

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