Hohe Preisgelder, wenig Sicherheit : Nach Schüssen in Florida: E-Sportler fordern mehr Security bei Turnieren

Sonntagabend: Massive Polizeipräsenz nach der Schießerei in Jacksonville. Foto: Mark Wallheiser/Getty Images/AFP
Sonntagabend: Massive Polizeipräsenz nach der Schießerei in Jacksonville. Foto: Mark Wallheiser/Getty Images/AFP

Drei Menschen sterben bei einem Angriff auf ein E-Sport-Turnier. Erste Spieler setzen sich für mehr Sicherheit ein.

shz.de von
27. August 2018, 15:34 Uhr

Jacksonville | Fassungslosigkeit, Wut und Trauer nach den tödlichen Schüssen bei einem E-Sport-Turnier im amerikanischen Jacksonville (Florida): Ein Mann hatte am Sonntagnachmittag (Ortszeit) das Feuer eröffnet und zwei Menschen getötet. Auch der mutmaßliche Schütze selbst ist tot, wie die Polizei der Stadt Jacksonville am Sonntagabend (Ortszeit) mitteilte. Der Mann habe sich erschossen, sagte Sheriff Mike Williams. Aus der Spieler-Szene gibt es nun Forderungen nach mehr Sicherheitsmaßnahmen auf den hochdotierten Turnieren.

Der Täter eröffnete das Feuer während eines "Madden 19"-Turniers: Dabei messen sich professionelle Spieler virtuell in dem American-Football-Spiel. Auf einem Video, das von dem Wettbewerb stammen soll, hört man im Hintergrund Schüsse und Schreie. Ermittler vermuten, dass es sich bei den Täter um den 24-jährigen David K. aus der rund 1000 Kilometer entfernt gelegenen Stadt Baltimore handelt. Er sei wegen des Turniers in Jacksonville gewesen, sagte Sheriff Mike Williams. Das Motiv war zunächst unklar. Laut US-Medienberichten soll K. selbst an dem Turnier als Spieler teilgenommen haben.

Verdächtiger soll selbst "Madden"-Turnier gewonnen haben

Einen Tag nach der Tragödie läuft die Aufarbeitung auch in der Spielerszene. Aus dem professionellen E-Sport-Team "compLexity" spielte der 19-jährige Drini Gjoka in Jacksonville mit – Gjoka kam mit einer Verletzung davon, der Täter hatte ihn in den Daumen geschossen. Für den Gründer des Teams, Jason Lake, könnte das Geschehene massive Auswirkungen auf künftige E-Sport-Turniere haben. Er twitterte zudem: "Trauriger Tag und ein Weckruf für kleine und große Organisatoren":

Das Turnier am Sonntag wurde in der "GLHF Game Bar" abgehalten, einem Treffpunkt für Spieler im Einkaufs- und Vergnügungszentrum mit dem Namen "The Landing" im Zentrum der Stadt. Die Teilnehmer des "Madden"-Turniers spielten eine Qualifikation für ein Event in Las Vegas aus, bei dem geht es um ein Gesamt-Preisgeld von 165.000 US-Dollar geht. Laut US-Sender "CNN" habe der Verdächtige im vergangenen Jahr ein "Madden"-Turnier gewonnen.

'Wir sind Jacksonvilles Zuhause für Spieler und Nerds', heißt es auf der Website der GLHF Game Bar.
Screenshot/glhfgamebar.com
"Wir sind Jacksonvilles Zuhause für Spieler und Nerds", heißt es auf der Website der GLHF Game Bar.

E-Sport ist längst ein Massenphänomen: Im Netz gibt es eine große Fan-Gemeinde, die leidenschaftlich die Duelle per Live-Stream am Rechner zuhause verfolgt. Vor allem bei großen Turnieren wie Welt- oder Europameisterschaften ist das Interesse groß. Einer Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte nach wächst das Interesse an digitalen Sportwettkämpfen. "Bis 2018 wird sich E-Sports weltweit zu einem Milliardengeschäft entwickeln. Auch in Deutschland ist diese Tendenz zu beobachten", sagt Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte, Karsten Hollasch. Schätzungen zufolge könnte allein das deutsche Marktvolumen in weniger als drei Jahren etwa 130 Millionen Euro betragen.

Zweite aufsehenerregende Bluttat in diesem Jahr

Bei dem Vorfall in Jacksonville wurden elf Menschen verletzt: Neun von ihnen wurden von Schüssen getroffen, zwei weitere Personen zogen sich Verletzungen zu, als sie flüchteten. Laut der "New York Times" sind die Verletzten zwischen 20 und 35 Jahre alt. Sie wurden in unterschiedlichen Krankenhäusern behandelt. Der Gesundheitszustand eines Patienten sei ernst, alle seien aber stabil, zitiert die Zeitung den Sprecher des Krankenhauses UF Health in Jacksonville, Dan Leveton. Der am schwersten Verletzte sei in die Brust geschossen worden, sagte eine Chirurgin des Krankenhauses.

Der Bundesstaat war am 14. Februar Schauplatz eines Blutbades mit 17 Toten. An der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Parkland erschoss ein 19-Jähriger damals 14 Jugendliche und 3 Erwachsene. Nach der Tat kam es landesweit zu zahlreichen Demonstrationen. Präsident Donald Trump stellte nach dem Massaker eine Verschärfung der Waffengesetze in Aussicht, rückte aber später wieder davon ab. Dafür wurde er scharf kritisiert.


(mit dpa)

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