Krebserregender Baustoff : Russische Asbestfirma wirbt mit Konterfei von Donald Trump

Chrysotil oder weißer Asbest findet sich häufig in Asbestzement oder wurde zum Brandschutz verwendet. Foto: imago/Arnulf Hettrich
Chrysotil oder weißer Asbest findet sich häufig in Asbestzement oder wurde zum Brandschutz verwendet. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Der US-Präsident und die US-Umweltbehörde verharmlosen Asbest. Das macht sich ein russisches Unternehmen zunutze.

shz.de von
07. August 2018, 14:55 Uhr

Asbest | US-Präsident Donald Trump ist "Werbegesicht" für einen der größten Asbest-Produzenten der Welt – das russische Unternehmen Uralasbest. Auf Verpackungsmaterial einer Lieferung von Chrysotil, auch bekannt als Weißasbest, ist das Konterfei des Republikaners in roter Farbe aufgedruckt. Mit "Genehmigt von Donald Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten“, ist der Aufdruck beschriftet. Das Unternehmen spricht von einer Danksagung: "Auf diese ungewöhnliche Weise dankten die Arbeiter der asbestverarbeitenden Anlage US-Präsident Donald Trump für seine Worte zur Verteidigung von Chrysotil-Asbest."

Trump hatte den krebserregenden Baustoff in seinem 1997 veröffentlichten Buch "The Art of the Comeback" als "100 Prozent sicher, sobald er verbaut ist“ bezeichnet. 2012 twitterte Trump, das World Trade Center sei nach den Anschlägen vom 11. September "niemals abgebrannt", wenn Asbest nicht aus dem Gebäude entfernt worden wäre.

Neuen Anschub bekam diesen Aussagen durch den ehemaligen Leiter der amerikanischen Umweltbehörde. Bis zu seinem Rücktritt Anfang Juli hatte der Jurist Scott Pruitt diesen Posten inne. Pruitt hatte etwa einen Monat zuvor angekündigt, Asbest nicht mehr auf etwaige Gesundheitsgefährdungen untersuchen zu lassen.

Asbest ist krebserregend und kann die Lunge schwer schädigen. Wie in Europa war das faserige Silikatmineral als Baustoff in den USA weit verbreitet, bevor es durch wissenschaftliche Erkenntnisse, die ernste Gesundheitsgefahren belegten, in Ungnade fiel. Allerdings haben die Amerikaner noch kein Verbot erlassen, sondern lediglich die Verwendung massiv eingeschränkt. Anders in Deutschland und Europa; hier ist der Gebrauch verboten. Nicht so jedoch in Russland. Das Land ist einer der größten Asbest-Produzenten, der Stoff wird dort immernoch vielfach verbaut.

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" sei die Verwendung von Asbest in den USA in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. An einigen Stellen werde es aber noch genutzt, etwa in der Chloralkali-Industrie. Bis vor kurzem seien laut "Wall Street Journal" noch 95 Prozent des Asbests aus Brasilien importiert worden, der Rest aus Russland. Ein Verbot des Abbaus, der Verwendung und des Verkaufs von Asbest in Brasilien habe dann aber den Markt geöffnet, schreibt das Portal "Chemical & Engineering News". Demzufolge könnte Uralasbest profitieren.

Das Unternehmen besitzt eine riesige Mine in der russischen Stadt Asbest. Ein Verbündeter soll der russische Präsident Wladimir Putin sein. Und geht es nach den Arbeitern nun auch Donald Trump.


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