Migration : Rettungsschiff mit Überlebender und Leichen auf Mallorca eingetroffen

Die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms rettet seit 2015 im Mittelmeer Menschen aus Seenot.
Die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms rettet seit 2015 im Mittelmeer Menschen aus Seenot.

Spanien löst Italien bei der Migration ab: Neben einer Kamerunerin trafen dort am Sonnabend weitere Hunderte Menschen ein.

shz.de von
21. Juli 2018, 17:55 Uhr

Palma | Ein Rettungsschiff mit einer Migrantin und zwei Leichen an Bord ist in Mallorca eingetroffen. Die "Open Arms" sei nach viertägiger Fahrt am Sonnabend in den Hafen von Palma eingelaufen, teilte der Gründer der spanischen Nichtregierungsorganisation Proactiva Open Arms, Oscar Camps, auf Twitter mit. Italiens rechte Regierung hatte der NGO zwar einen Hafen zum Anlanden zugewiesen. Rom wollte sich allerdings nur um die Überlebende, nicht aber um die Toten der Flucht über das Mittelmeer kümmern. Daraufhin steuerte Proactiva Spanien an.

Die vor der libyschen Küste geborgene Migrantin aus Kamerun wurde zunächst auf dem Schiff ärztlich und psychologisch untersucht und betreut, wie die Regionalbehörden der Balearen mitteilten. Anschließend habe das Rote Kreuz die Frau namens Josefa zur weiteren Betreuung in ein Krankenhaus in Palma gebracht, hieß es. Sie leide an Unterkühlung und Dehydration.

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Proactiva ist davon überzeugt, dass die libysche Küstenwache die drei Flüchtlinge nach einer Rettung im Meer zurückgelassen hat, weil sie sich geweigert hatten, nach Libyen zurückgebracht zu werden. Die Retter entdeckten die Überlebende und die beiden Leichen – eine Frau und ein Kind – am Dienstag inmitten der zerstörten Überreste ihres Plastikbootes.

Klage gegen libysche Küstenwache eingereicht

Man habe bei der spanischen Justiz eine Klage gegen die libysche Küstenwache und auch gegen den Kapitän eines Frachtschiffes wegen unterlassener Hilfeleistung und wegen fahrlässiger Tötung eingereicht, erklärten Sprecher von Proactiva Open Arms vor Journalisten in Palma.

Basketballstar Marc Gasol nahm an der Rettungsaktion teil und war entsetzt. Die drei Migranten seien in einer "unmöglichen Situation" zurückgelassen worden. Die libysche Küstenwache habe "unmenschlich und kriminell" gehandelt, er selbst verspüre große Wut und Hilflosigkeit, sagte der Spanier, der für den NBA-Klub Memphis Grizzlies spielt.

Neben Josefa trafen allein am Freitag und Samstag weitere 549 Flüchtlinge ein. Diese Migranten seien im Alborán-Meer und in der Straße von Gibraltar im westlichen Mittelmeer aus insgesamt 30 Booten aus Seenot gerettet worden, teilten die spanischen Seerettungskräfte mit.

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