Reaktionen : Mordfall Susanna: „Warum war der Verdächtige nicht längst in Untersuchungshaft?“

Susannas Leichnahm wurde nahe einer Bahnbrücke verscharrt.
Susannas Leichnahm wurde nahe einer Bahnbrücke verscharrt.

Im Fall der ermordeten Susanna ist ein Flüchtling dringend tatverdächtig. Die Politik will rasche Aufklärung.

shz.de von
08. Juni 2018, 09:26 Uhr

Berlin/Wiesbaden | Nach dem gewaltsamen Tod der 14-jährigen Susanna aus Mainz hat eine Reihe von Politikern Aufklärung darüber gefordert, wie sich der Tatverdächtige trotz Unklarheiten über seine Identität offenbar in seine Heimat Irak absetzen konnte. Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sagte unserer Redaktion, es stelle sich die Frage, warum der Tatverdächtige, der bereits polizeilich in Erscheinung getreten sei, „nicht längst in Untersuchungshaft war“. Der CDU-Obmann im Innenausschuss des Bundestages forderte, dass Staatsanwaltschaften und Gerichte den Rechtsrahmen „offensiv ausschöpfen“ müssten.

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SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte der „Bild“-Zeitung, es müsse „rasch geklärt werden, wie der Tatverdächtige entkommen konnte und wie er möglichst schnell in Deutschland vor Gericht gestellt werden“ könne.

„Kontrollmechanismen nutzen“

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, sagte der „Bild“-Zeitung, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) müsse „dafür sorgen, dass die vorhandenen Kontrollmechanismen bei Ein- und Ausreisen auch genutzt werden“. Bei „solch fragwürdigen Papieren“ wie im Fall des Tatverdächtigen „und angesichts des Reiseziels hätte die Bundespolizei mit einem einfachen Fingerabdruck-Vergleich feststellen können, dass hier ein Krimineller auf der Flucht ist“.

Was die Polizei über den Verdächtigen im Mordfall Susanna weiß

„Tat darf nicht ungesühnt bleiben“

Auch der SPD-Politiker Karl Lauterbach sagte der „Bild“-Zeitung, es müsse „schnellstens geklärt werden, wieso ein Verdächtiger ins Flugzeug steigen kann, obwohl seine Identität nicht klar ist“. Die deutschen Behörden müssten „alles tun, damit der Mann ausgeliefert und nach Deutschland zurückgebracht wird“. Die Tat dürfe „nicht ungesühnt bleiben“. Ähnlich äußerte sich der Grünen-Politiker Omid Nouripour. Der Mann müsse ausgeliefert, ihm müsse „hier der Prozess gemacht werden“, forderte er in der „Bild“.

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Der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff sagte dem Blatt: „Das ist typisch für unsere deutschen Sicherheitsbehörden. Es gibt einfach zu viele Lücken in diesem System.“ Dies sei „seit langem verantwortet von der CDU“. Der CDU-Haushaltspolitiker Eckhardt Rehberg sagte vor dem Hintergrund des Mordfalls, Seehofer habe seine „volle Unterstützung, jetzt das gesamte Asylverfahren grundlegend umzugestalten“. Dafür werde das Geld bereitgestellt.

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) hat im ZDF-„Morgenmagazin“ einen Migrationsgipfel zwischen Bund, Ländern und Kommunen vorgeschlagen. „Ein solcher Gipfel sollte so lange vierteljährlich tagen, bis wir wirklich die Situation wieder im Griff haben“, sagte er am Freitag. „Der eigentliche Skandal ist ja nicht, dass es jetzt ein Flüchtling gewesen ist, sondern jemand, der straffällig gewesen ist.“

AfD fordert Rücktritt der Bundesregierung

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel forderte in einer via Twitter verbreiteten Videobotschaft den Rücktritt der gesamten Bundesregierung. Susannas Tod sei „kein blinder Schicksalsschlag“, sagte Weidel. „Susanna ist ein weiteres Opfer der heuchlerischen und egoistischen Willkommenspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.“

Vergewaltigt und getötet

Die vor zwei Wochen vermisst gemeldete Susanna wurde vergewaltigt und getötet, wie die Ermittler in Wiesbaden am Donnerstag mitgeteilt hatten. Zunächst war von zwei mutmaßlichen Tätern die Rede. Ein zunächst festgenommener 35-jähriger Türke wurde am Abend wieder freigelassen. Bei dem anderen Verdächtigen handelt es sich um einen 20-jährigen Iraker, der sich Anfang Juni mit seiner Familie von Düsseldorf aus erst nach Istanbul in der Türkei und von dort aus weiter nach Erbil im Nordirak abgesetzt haben soll. Die Flugtickets waren dabei laut Polizei auf andere Namen ausgestellt. Ein Abgleich mit den Namen auf den Aufenthaltsgenehmigungen fand demnach nicht statt.

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