Facebook-Post zu Björn Höcke : Student klickte "Gefällt mir" bei Satire-Artikel – jetzt ermittelt die Polizei

Im Frühjahr 2017 machte sich der 'Postillon' über Björn Höcke lustig – auch die Münchner Polizei liest mit. Foto: dpa/Facebook/Montage
Im Frühjahr 2017 machte sich der "Postillon" über Björn Höcke lustig – auch die Münchner Polizei liest mit. Foto: dpa/Facebook/Montage

Ein 27-Jähriger hat es nicht leicht: Erneut steht er wegen seiner Facebook-Aktivitäten im Fokus der Ermittler.

shz.de von
14. September 2018, 17:16 Uhr

München | Welche sonderbaren Blüten die Ermittlungsarbeit deutscher Polizeibeamter treiben kann, zeigt ein aktueller Fall aus Bayern: Dort steht ein Student wiederholt wegen einer vermeintlichen Nichtigkeit im Visier der Ermittler.

Konkret geht es um einen "Like" für einen Facebook-Post der Satire-Plattform "Postillon" – dieser zeigt eine Fotomontage des umstrittenen AfD-Politiker Björn Höcke mit einem Hitler-Foto auf dem Nachtschrank. "Du machst mir nichts als Ärger: Björn Höcke dreht Hitler-Foto auf seinem Nachttisch um", heißt es im verlinkten Artikel des Facebook-Posts.

Der Staatsschutz der Münchner Polizei sieht darin nun eine angeblich rechts motivierte Straftat, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Johannes König, so der Name des Betroffenen, soll mit seinem "Like" gegen das Verbot der Verwendung "von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" verstoßen haben (geregelt im Paragrafen 86a des Strafgesetzbuches).

Hintergrund der "Postillon"-Geschichte war übrigens ein Interview Höckes im vergangenen Jahr mit dem "Wall Street Journal", in dem sich Thüringens AfD-Chef über die Darstellung Hitlers "als das absolut Böse" beschwerte. Höcke weiter: "Wir wissen aber natürlich, dass es in der Geschichte kein schwarz und kein weiß gibt. Und dass es viele Grautöne gibt." Die Aussagen sorgten bundesweit für Aufsehen.

"Meine Akte umfasst etwa 50 Seiten"

Es ist nicht das erste Mal, dass gegen Student König wegen einer Facebook-Aktion ermittelt wird: Anfang des Jahres hatte er einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks auf seiner Facebook-Seite geteilt. Auf dem Foto des Beitrags war eine Fahne der YPG zu sehen, dem bewaffneten Arm der kurdischen Arbeiterpartei PKK in Syrien. Die Fahne darf in Deutschland nicht gezeigt werden. Gegenüber dem Portal "jetzt.de" sagte der 27-Jährige dazu:

"Ich habe erst kürzlich Akteneinsicht erhalten. Die Ermittlungen laufen immer noch. Meine Akte umfasst etwa 50 Seiten, größtenteils ist es einfach mein abfotografiertes Facebookprofil. Die Polizei hat auch alle meine 'Likes' erfasst, also welche Posts auf Facebook mir gefallen haben."

Die Münchner Polizei möchte zu den neuen Vorwürfen zunächst nichts sagen - aufgrund der laufenden Ermittlungen.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen