Nahost-Konflikt : Schwangere und Kind sterben bei israelischem Luftangriff

Explosion nach einem israelischen Luftangriff in Gaza-Stadt.
Explosion nach einem israelischen Luftangriff in Gaza-Stadt.

Neue Gewalteskalation in Gaza: Palästinenser feuern Raketen in Richtung Israel, die Armee reagiert mit Luftangriffen.

shz.de von
09. August 2018, 13:50 Uhr

Gaza | Die angespannte Lage zwischen militanten Palästinensern im Gazastreifen und Israel scheint sich nach einer erneuten Eskalation wieder zu beruhigen. Militante Palästinenser erklärten am Donnerstag ein Ende der aktuellen Gewalt. Als Reaktion auf Beschuss aus dem Küstengebiet hatte die israelische Luftwaffe in der Nacht zuvor Ziele der radikalislamischen Hamas angegriffen. Dabei wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums eine schwangere Frau und ihre 18 Monate alte Tochter sowie ein Mitglied des militanten Arms der Hamas getötet.

Neun weitere Palästinenser wurden demnach verletzt. In Israel wurden nach Angaben der Armee durch Beschuss aus dem Gazastreifen sieben Menschen verletzt. "Diese Eskalation ist aufgrund von internationaler und regionaler Vermittlung vorbei", teilte die Vereinigung für den bewaffneten Widerstand am Donnerstag mit. Zu der Gruppe gehören unter anderem die radikalislamische Hamas und der Islamische Dschihad.

Mehr als 140 Ziele bombardiert

Der UN-Nahostgesandte Nikolay Mladenov hatte zuvor alle Seiten zur Zurückhaltung aufgefordert und vor einer weiteren Zuspitzung der Situation gewarnt. Die israelische Armee zählte bis Donnerstagmorgen rund 150 Raketen, die aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert wurden. Das israelische Sicherheitskabinett wurde nach Medienberichten für den Nachmittag zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen.

Mehr als 30 palästinensische Raketen wurden abgefangen, die meisten übrigen schlugen auf freiem Gelände ein, wie die Armee mitteilte. Sie attackierte nach eigenen Angaben daraufhin mehr als 140 Ziele im Gazastreifen - unter anderem Trainingscamps, Lagerstätten und eine Waffenfabrik. "Wir haben (...) nur militärische Ziele angegriffen, die eindeutig von der Hamas genutzt wurden", sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. "Wir sehen, dass die Hamas diese letzte Runde der Gewalt begonnen hat." Die Truppen im Süden des Landes würden verstärkt.

Ägypter vermitteln

Frankreich verurteilte den Abschuss von Raketen auf Israel und forderte, "dass die Waffenruhe von allen Parteien respektiert wird, um neue zivile Opfer zu vermeiden". "Diese Ereignisse unterstreichen die Dringlichkeit, nach einer dauerhaften politischen Lösung für Gaza zu suchen und eine wirksame Antwort auf die humanitäre Krise zu geben, die die palästinensische Bevölkerung trifft", hieß es in einer Mitteilung des Pariser Außenministeriums weiter.

Israelische Medien berichteten am Donnerstag von Verhandlungen über eine langfristige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas unter ägyptischer Vermittlung. Die Hamas hatte am Montag Gespräche mit Ägypten über eine Waffenruhe bestätigt. Von Israel gab es dafür keine offizielle Bestätigung.

Seit Ende März sind bei Protesten und Zusammenstößen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 160 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Ein israelischer Soldat wurde erschossen. Die Palästinenser fordern ein Ende der Gaza-Blockade und ein Recht auf Rückkehr in ihre frühere Heimat oder die ihrer Eltern und Großeltern. Diese Dörfer oder Städte gehören heute zum israelischen Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender Menschen im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Israel lehnt die Forderungen ab.

Kolumbien erkennt Palästina als Staat an

Die radikalislamische Hamas wird von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahne geschrieben.

Kolumbien erkannte indes Palästina nach Angaben der palästinensischen Botschaft in Bogotá als unabhängigen Staat an. Israel forderte die Rücknahme der Entscheidung. "Dies belohnt die Palästinensische Autonomiebehörde dafür, Terrorismus zu unterstützen, den Holocaust zu verleugnen und Friedensgespräche zu verweigern", kritisierte der stellvertretende Minister für Diplomatie, Michael Oren, auf Twitter. Mittlerweile haben mehr als 130 Länder Palästina anerkannt. Länder, wie Deutschland, Israel und die USA, vertreten dagegen die Linie, ein souveräner Palästinenserstaat könne erst nach dem Abschluss von Friedensverhandlungen mit Israel ausgerufen und anerkannt werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen