"Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?" : Nicht schwul genug: Asylantrag eines Afghanen abgelehnt

Zahlreiche homophobe Klischees lassen die Behörde zum Schluss kommen: der Afghane ist nicht homosexuell. Symbolfoto: dpa/Michael Reichel
Zahlreiche homophobe Klischees lassen die Behörde zum Schluss kommen: der Afghane ist nicht homosexuell. Symbolfoto: dpa/Michael Reichel

"Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten", heißt es im Ablehnungsbescheid.

shz.de von
16. August 2018, 00:10 Uhr

Wien | Einem 18-jährigen Afghanen ist in Österreich der Asylantrag abgelehnt worden – weil die Behörden ihm nicht glauben, dass er homosexuell ist: "Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten", heißt es unter anderem im Ablehnungsbescheid.

Über den Fall hatte die Wiener Wochenzeitung Falter berichtet. Die Journalistin Nina Horaczek veröffentlichte Auszüge des Bescheids auch auf Twitter.

Der Afghane war demnach 2016 als unbegleiteter Jugendlicher nach Österreich geflüchtet und dort zunächst in einem SOS-Kinderdorf untergekommen. Bei seiner ersten Vernehmung habe er noch angegeben, als Angehöriger der Minderheit der Hazara in seiner Heimatprovinz Herat um sein Leben zu fürchten. Seine Unterstützer begründen das heute damit, dass er Angst gehabt habe, sich outen zu müssen.

Schließlich steht im Bescheid zum Heimatland des 18-Jährigen auch: "Bisexuelle und homosexuelle Orientierung sowie transsexuelles Leben werden von der breiten Gesellschaft abgelehnt" – doch gleichzeitig wird über den Antragsteller auch gefragt: "Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?"

Letztlich kommen die Behörden zum Schluss: Der junge Afghane ist nicht homosexuell. Zurückgeführt wird das auch auf einen Vorfall, der sich im SOS-Kinderdorf abgespielt haben soll. Dort habe er laut Zeugenaussagen einen Konflikt mit Zimmergenossen ausgetragen und sei wegen Körperverletzung angezeigt worden. "Ein Aggressionspotenzial ist bei Ihnen also vorhanden, das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre."

Inzwischen hat der Afghane Berufung gegen den Bescheid eingelegt.

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