Verstärkte Polizeipräsenz : Eltern in Sorge: Mehrere Kitas erhalten anonyme Drohbriefe

Zahlreiche Kinderbetreuungsstätten im Raum München sind ins Visier eines anonymen Drohbriefschreibers geraten. Foto: dpa
Zahlreiche Kinderbetreuungsstätten im Raum München sind ins Visier eines anonymen Drohbriefschreibers geraten. Foto: dpa

Im Süden Münchens sind Eltern um ihre Kinder besorgt. Zahlreiche Drohbriefe wurden dort an Kindergärten verschickt.

shz.de von
20. Juli 2018, 16:21 Uhr

München | Ein wirrer Briefeschreiber sorgt derzeit in Bayern für Unsicherheit und Angst bei vielen Eltern. Ende der vergangenen Woche waren im Landkreis Unterhaching im Süden Münchens zahlreiche Drohbriefe und rassistische Pamphlete in Kindergärten, Kindertagesstätten, Behörden und kirchlichen Einrichtungen eingegangen.

In den mit jeweils einem großen Hakenkreuz gekennzeichneten Briefen werden Gewalttaten gegen Kinder angekündigt. Der Absender droht unter anderem damit, vergiftete Süßigkeiten in der Nähe von Kindergärten zu deponieren. An anderer Stelle phantasiert der offenkundige Nazi über eine Amokfahrt, bei der er Jungen und Mädchen während eines Ausfluges mit einem Laster überfahren wolle.

Polizei sieht keine ernstzunehmende Gefahr

Wie die Münchner Polizei der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte, sind bislang mehr als 30 Drohbriefe bekannt. Neben den Hetzereien und Gewaltfantasien werden in den Schreiben Kinder aus muslimischen und jüdischen Elternhäusern auf übelste Weise beleidigt. Kinder aus osteuropäischen Familien sollten den Schreiben zufolge außer Landes geschafft oder "gleich erschossen werden."

Trotz der massiven Bedrohungen und der hohen Anzahl sieht die Münchner Polizei "keine ernstzunehmende Gefahr". Nach Einschätzung der Kripo sei der Absender ein "Irrer", der Inhalt der Briefe sei als "völlig wirr" zu bezeichnen. Die Polizei geht davon aus, dass alle Briefe von einer Person stammen. "Darauf lassen Wortwahl und Inhalt schließen", sagte ein Polizeisprecher der Münchner "Abendzeitung".

Drohbriefe auch an Rathäuser und Rechtsanwälte verschickt

Der Briefeschreiber sei zudem offenbar ortskundig, teilte die Polizei mit. Dafür spreche die Tatsache, dass die Hetzbriefe direkt in die Briefkästen geworfen worden seien.

Obwohl die Polizei nicht von einer größeren Gefahr ausgeht, wurden Sicherheitsmaßnahmen in Gang gesetzt: Sämtliche Einrichtungen blieben seit dem Erhalt der Drohpost zwar geöffnet, in der Nähe der betroffenen Stätten patroullieren jedoch seither regelmäßig zivile und uniformierte Streifen.

In dieser Woche gab die Polizei bekannt, dass bereits im Laufe des vergangenen Jahres acht Briefe mit ähnlichem Inhalt verschickt worden waren. Seit Anfang diesen Monats gingen dann vermehrt Drohbriefe ein, so die Polizei. Neben Kinderbetreuungsstätten waren auch Rathäuser, Landratsämter und Rechtsanwaltskanzleien das Ziel. In näherer Zukunft müsse mit weiteren Schreiben dieser Art gerechnet werden, heißt es.

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