Nach Bremer Asyl-Skandal : Flüchtlingsamt überprüft 13 weitere Außenstellen

Nach dem Asyl-Skandal in Bremen überprüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) 13 weitere Außenstellen. Foto: dpa
Nach dem Asyl-Skandal in Bremen überprüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) 13 weitere Außenstellen. Foto: dpa

Nach dem Asyl-Skandal in Bremen überprüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) laut einem Zeitungsbericht 13 weitere Außenstellen

shz.de von
20. Mai 2018, 11:02 Uhr

Berlin | Nach dem Asyl-Skandal in Bremen überprüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) 13 weitere Außenstellen. Nach Informationen der „Bild am Sonntag" sollen diese auffällig geworden sein, weil es dort bei der Bearbeitung von Asylanträgen im Vergleich zu anderen Dienststellen Abweichungen „nach oben oder unten" gegeben habe. Außerdem sollen, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten, Dolmetscher nachgeschult werden.

8.000 Asylanträge betroffen

Insgesamt sollen 8.000 Asylanträge noch einmal überprüft werden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) tauschte dem Bericht zufolge den für Migration und das Bundesamt zuständigen Abteilungsleiter inzwischen aus.

In Bremen wurden zwischen 2013 und 2017 offenbar bis zu 2.000 Asylanträge ohne rechtliche Grundlage positiv beschieden. Das Bundesamt für Migration überprüft nun 18.000 positive Bescheide der Bremer Außenstelle. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Asylmissbrauchs und Bestechlichkeit gegen die ehemalige Leiterin der Bremer Behörde und weitere Beschuldigte.

Nachschulungen für Dolmetscher

Als Reaktion auf die Missstände bei Asylverfahren will das Bundesamt für Migration zudem die Qualität der Übersetzungen in Asylverfahren erhöhen und schult dazu bereits eingesetzte Dolmetscher nach. Derzeit arbeiten nach einem Bericht der Essener Funke Mediengruppe (Sonntag) rund 5.800 Dolmetscher im Auftrag des Bundesamtes, von denen aber lediglich 620 vereidigt seien und ihr Fachwissen zertifiziert hätten. Die meisten seien Laien ohne Ausbildung in diesem Bereich. Mehrere Übersetzer berichteten den Blättern von mangelnder Einarbeitung, schlechter Bezahlung und Stresssituationen.

In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) bietet das Bundesamt jetzt auf freiwilliger Basis fünftägige Seminare an. Geschult würden Gesprächssituationen, Berufsethik und der Umgang mit belastenden Situationen, sagte ein Behördensprecher den Funke-Zeitungen. Das Seminar kostet die Dolmetscher 200 Euro. Bislang fanden laut Bundesverband neun Schulungen mit jeweils einem Dutzend Teilnehmer statt.

Zu wenig Profis?

Der Dolmetscher-Bundesverband sieht die geringe Zahl professioneller Übersetzer mit Sorge. Den Laien fehlten in der Regel die in einer fundierten Ausbildung vermittelten Techniken sowie soziale Kompetenz und professionelle Distanz, sagte die BDÜ-Projektleiterin „Dolmetschen im Asylwesen", Monika Eingrieber. Anders als vor Gericht oder bei der Polizei herrsche in Asylverfahren „offensichtlich große Unsicherheit". Klare Regeln zu Mindestanforderungen und Eignungen für bestimmte Einsätze fehlten.

Im April hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Zusammenarbeit mit mehr als 2.000 Dolmetschern beendet, weil sie aus Sicht der Behörde nicht neutral oder vertrauenswürdig erschienen, unpünktlich waren oder Standards nicht einhielten. In der Affäre um mutmaßlich manipulierte Asylentscheidungen in Bremen gehört auch ein Dolmetscher zu den Beschuldigten.

Pistorius: "Vertrauen stärken"

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) sieht durch die mutmaßlichen Manipulationen beim Bamf das Vertrauen in den Staat gefährdet. „Gerade bei der wichtigsten Bundesbehörde in den Fragen um Flüchtlinge und Asyl müssen die Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger dem Staat weiterhin vertrauen können", sagte er der Düsseldorfer „Rheinischen Post" (Samstag).

Ein ordentliches Asylverfahren sei ein wichtiger Faktor der inneren Sicherheit, betonte Pistorius. Als Konsequenz aus den Vorgängen müssten nun „alle Voraussetzungen getroffen werden, damit so etwas nicht mehr möglich ist".

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