20-Jähriger untergetaucht : Was die Polizei über den Verdächtigen im Mordfall Susanna weiß

<p>Ein Polizeiwagen steht vor einer Asylbewerberunterkunft in der Nähe des Tatortes. Hier soll nach Angaben der Polizei der Hauptverdächtige Täter gewohnt haben.</p>

Ein Polizeiwagen steht vor einer Asylbewerberunterkunft in der Nähe des Tatortes. Hier soll nach Angaben der Polizei der Hauptverdächtige Täter gewohnt haben.

Der flüchtige Tatverdächtige im Fall der ermordeten 14-Jährigen ist in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgefallen.

shz.de von
07. Juni 2018, 15:00 Uhr

Wiesbaden | Der flüchtige Verdächtige im Mordfall Susanna ist nach Angaben der Ermittler in diesem Jahr schon mehrmals polizeilich aufgefallen. Unter anderem soll der 20 Jahre alte Flüchtling aus dem Irak im März eine Stadtpolizistin in Wiesbaden angerempelt und um sich gespuckt haben, wie der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller am Donnerstag sagte. Er sei daraufhin in Gewahrsam genommen worden.

Der Verdächtige soll außerdem im April mit einem Mittäter einen Mann mit einem Messer bedroht und dessen Wertsachen geraubt haben. In anderen Fällen wie etwa einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen, habe eine Beteiligung von Ali Bashar nicht festgestellt werden können. Es habe insgesamt in keinem Fall einen Haftgrund gegeben, sagte Müller.

Geprüft werde noch eine Verbindung zur mutmaßlichen Vergewaltigung einer 11-Jährigen im März, die nach Angaben der Polizei erst im Mai angezeigt wurde. Das Opfer habe angegeben, von einem Mann namens Ali aus der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim, in dem auch der Verdächtige im Fall Susanna wohnte, vergewaltigt worden zu sein. Unter diesem Vornamen seien dort aber mehrere Männer gemeldet.

Susanna kannte Bruder des Tatverdächtigen

Zwei Männer sollen Susanna vergewaltigt und umgebracht haben. Einer der beiden Tatverdächtigen wurde festgenommen worden. Es handelt sich um einen 35-jährigen Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit.

Susanna starb nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Achim Thoma durch Gewalt gegen den Hals. Es besteht der Verdacht, dass Susanna zuvor vergewaltigt wurde. Die Jugendliche kannte nach Angaben von Polizeipräsident Müller den Bruder des tatverdächtigen Irakers.
 

Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Foto: dpa
Boris Roessler
Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Foto: dpa


Ali Bashar sei vermutlich am vergangenen Donnerstag mit seiner gesamten Familie „überhastet abgereist“, sagte der Polizeipräsident Müller. Die Familie aus Vater, Mutter und sechs Kindern habe zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim gelebt. Sie sei nach bisherigen Erkenntnissen von Düsseldorf aus nach Istanbul und von dort aus weiter ins irakische Erbil geflogen.

Asylantrag wurde Ende 2016 abgelehnt

Auf den Flugtickets seien andere Namen angegeben gewesen als auf den ebenfalls am Flughafen vorgelegten Aufenthaltspapieren für Deutschland, sagte Müller. Die Gruppe habe aber auch sogenannte Laissez-passer-Dokumente -– eine Art Passierschein – in arabischer Sprache mit Passbildern dabei gehabt, die von der irakischen Botschaft ausgestellt worden seien. Am Flughafen seien nach den bisherigen Erkenntnissen die Passfotos, aber nicht die Namen abgeglichen worden.
 

Die Familie war knapp drei Jahre zu vor, im Oktober 2015 über die Türkei und Griechenland nach Deutschland eingereist. Der verdächtige 20-Jährige lebte laut „FAZ“ seit April 2016 in Wiesbaden. Ende 2016 wurde sein Asylantrag abgelehnt. Nach einer Klage war Bashar gestattet worden, sich weiter in Deutschland aufzuhalten.
 


Die 14-jährige Susanna war am 22. Mai als vermisst gemeldet worden. Sie war mit Freunden in der Wiesbadener Innenstadt unterwegs gewesen und abends nicht wie abgesprochen nach Hause zurückgekehrt. Bei der Polizei gingen daraufhin mehrere Zeugenhinweise ein, die auf ein Verbrechen hindeuteten. Nach längerer Suche fand die Polizei dann am Mittwochnachmittag in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden-Erbenheim ihre Leiche.

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